Was ist polyphasischer Schlaf und für wen eignet sich das Schlafmuster?

 

Immer mehr Menschen fühlen sich nach der Nachtruhe nicht vollständig ausgeruht und vollumfänglich leistungsfähig. Das liegt oftmals an den gestiegenen Alltagsanforderungen, die sich quer durch alle Berufs- und Personengruppen ziehen. Im Gegensatz dazu haben die wenigsten von uns die Möglichkeit, länger zu schlafen, um das Höchstmaß der Leistungs- und

Konzentrationsfähigkeit zu erreichen. Da dürfte ein polyphasischer Schlaf als trendiges Schlafmuster ideal sein. Denn bei nur etwa zwei Stunden Schlaf die volle Leistungsgrenze für den Alltag zu erreichen, scheint sehr verlockend. Doch ist dieses Schlafmuster wirklich eine gute Alternative? Wir sind diesem Trend einmal auf den Grund gegangen.

 

Was versteht man unter dem Begriff polyphasischer Schlaf?

 

Unter dem Begriff polyphasischer Schlaf versteht man einen Schlafrhythmus, der auf mehrere Phasen aufgeteilt wird. Die meisten kennen das von Neugeborenen, bei denen es natürlich ist, dass sie den gesamten Schlafbedarf auf mehreren Etappen abdecken.

Wir haben also alle schon mindestens einmal in unserem Leben unbewusst den polyphasischen Schlaf praktiziert. Doch dieses Schlafmuster verändert sich mehrmals, je älter wir werden.

So decken wir mit zunehmendem Alter unser Schlafbedürfnis in einer verhältnismäßig langen Nachtschlafphase ab, während wir im fortgeschrittenen Alter als Senioren oftmals wieder in ein anderes Schlafmuster wechseln.

Denn dann brauchen wir meist nicht mehr so viel Nachtschlaf, nutzen dafür jedoch einen Mittagsschlaf für zusätzliche Erholung.

Wer also als Erwachsener wie gewohnt seine Nachtruhe genießt, befindet sich im monophasischen Schlafmuster. Dieses wird von Schlafforschern als das natürlichste angesehen. Doch wer in Intervallen schläft, hat mehrere Möglichkeiten, seine Kräfte zu sammeln.

 

Welche unterschiedlichen Varianten gibt es beim polyphasischen Schlaf?

 

Das sich Schlafmuster im Zeitraum eines Menschenlebens ändern, ist also vollkommen natürlich. Doch bei dem sogenannten Intervallschlafen, welches im Übrigen auch von Fußballstar Christiano Ronaldo praktiziert wird, handelt es sich um eine bewusste Einflussnahme auf den natürlichen Schlaf-Rhythmus.

Bei den polyphasischen Schlafmustern gibt es folgende Varianten:

  1. Biophasischer Schlaf: Hierbei wird das Schlafbedürfnis auf etwa 6 Stunden Nachtschlaf und 20 Minuten Mittagsschlaf Alternativ würde auch 4,5 Stunden Nachtschlaf und 90 Minuten Mittagsschlaf funktionieren.
  2. „Jedermann“ Schlaf: Die Hauptschlafphase in der Nacht beträgt hier mindestens 1,5 Stunden und maximal 4,5 Stunden. Tagsüber werden dann noch 2 bis 5 kurze Nickerchen absolviert, die jedoch nicht länger als 20 Minuten sein sollten.
  3. „Dymaxion“ Schlaf: Die dynamische Maximalspannung wird hier komplett ohne nächtliche Hauptschlafphase erreicht, denn das Schlafbedürfnis wird in vier Nickerchen von jeweils 30 Minuten abgedeckt, welche strikt aller 6 Stunden eingelegt werden.
  4. „Übermensch“ Schlaf: Der gesamte Schlafbedarf wird dadurch gedeckt, indem man alle 2 Stunden für 20 Minuten schläft. Das bedeutet demnach, dass man keine Hauptschlafphase hat, sondern diese auf 6 kurze Phasen am Tag verteilt.

 

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Welche Vorteile bringen diese Schlafmuster?

 

Um es an dieser Stelle vorwegzunehmen: Die bewusst gesteuerten polyphasischen Schlafmuster sind nicht erforscht. Dementsprechend fehlen durch Langzeitstudien belegbare Beweise für die Vor- und Nachteile.

Jedoch können Schlafforscher aufgrund ihrer Erfahrungswerte und dem Wissen um den gesunden Schlaf sowie dessen Auswirkung auf den menschlichen Organismus bereits einiges dazu sagen.

Denn obwohl es offensichtlich Menschen gibt, bei denen der Etappenschlaf durchaus mehr Leistungsfähigkeit bringt, dürften die Nachteile auf lange Sicht überwiegen.

So muss man sich im Klaren darüber sein, dass eine bewusst herbeigeführte Veränderung des aktuellen Schlafmusters durchaus mindestens zwei bis drei Wochen braucht, bis es sich verfestigt hat und erste Auswirkungen zeigt.

Es wird also niemand gleich am nächsten Tag fitter und leistungsfähiger sein, nur weil er sich einmal mit dem polyphasischen Schlafmuster auseinandergesetzt hat.

Hat sich das jeweilige Schlafmuster als neuer Rhythmus jedoch einmal soweit verfestigt, wird es unter Umständen zu folgenden Auswirkungen kommen können:

  • der Körper gelangt nach dem Einschlafen sofort in die REM-Phase
  • die erholsame erste Tiefschlafphase entfällt bei manchen Varianten ebenso wie die Leichtschlafphase
  • das Kurzzeitgedächtnis kann nicht mehr vollständig alle wichtigen Informationen ins Langzeitgedächtnis verschieben
  • die Wachstumshormone werden nicht mehr vollumfänglich ausgeschüttet
  • die Regeneration der Zellen kann in der kurzen Schlafdauer nicht vollständig stattfinden
  • die verkürzte Schlafdauer kann zu Abnahme der Aufnahmefähigkeit, zu Wahnvorstellungen und Halluzinationen sowie zu fallender Körpertemperatur führen
  • der Körper schüttet mehr Cortisol aus, weswegen Blutzucker und Insulinproduktion gestört werden
  • das Gehirn kann sich nicht vollständig erholen, was zu einem erhöhtem Stresslevel führt
  • für Folgeerkrankungen wie Diabetes, Krebs und Herzerkrankungen erhöht sich das Risiko

Natürlich sind diese Auswirkungen nicht bewiesen. Das Gegenteil aber auch nicht. Am Ende wird das ohnehin jeder für sich selbst entscheiden müssen.

Dennoch sollte man niemals vergessen, dass durch den bewusst gesteuerten polyphysischen Schlaf die Schlafdauer zum Teil sehr stark verkürzt wird. Wissenschaftler halten das auf Dauer jedoch für problematisch.

Denn im Grunde gerät nicht nur die innere Uhr aus dem Takt, sondern ebenso der gesamte Organismus mit seinen diversen Abläufen und Prozessen, die ein gesunder Mensch braucht.

Tipp: Wer sich dennoch im polyphysischen Schlaf ausprobieren möchte, sollte im Hinblick auf die eigene Gesundheit vielleicht eher zum biophasischen Schlaf tendieren. Denn dieser unterbricht den natürlichen Schlafrhythmus nicht wirklich und verkürzt nicht gerade die ersten vier Stunden des Nachtschlafes. In dieser Zeit finden nämlich die wichtigsten Prozesse zur Erholung von Körper du Geist statt.

 

Ist das polyphasische Schlafmuster für jeden sinnvoll und geeignet?

 

Die meisten Erwachsenen nutzen hierzulande ohnehin den monophasischen Schlaf, um ihr Schlafbedürfnis zu stillen. In der Regel ist es in einer Arbeitswoche ohnehin nicht anders möglich. Wobei es natürlich auch Berufszweige gibt, die aufgrund von Schichtarbeit generell mit weniger Schlaf auskommen müssen.

Das polyphasische Schlafmuster mit ein bis zwei Schlafphasen pro Tag kann für jene unter uns sinnvoll sein, die den Tag wieder etwas leistungsstärker für sich nutzen wollen. Jedoch ist es immer abhängig vom Schlaftyp.

Sollten Sie zudem generell ein geringeres Schlafbedürfnis haben, kann es durchaus optimal sein, das Intervallschlafen auszuprobieren.

Hinweis: Wer das Etappenschlafen ausprobieren möchte, sollte damit rechnen, dass das Auslassen von einzelnen Schlafphasen einen drastischen Leistungsabfall zur Folge hat. Zudem wird bei polyphasischen Schlafmustern mit vielen Kurzzeit-Schlafphasen der Schlaf so stark minimiert, dass sich erfahrungsgemäß die Selbstwahrnehmung stark verschieben kann.

Im Gegensatz dazu ist das polyphasische Schlafmuster für jene Berufszweige völlig ungeeignet, bei denen über einen längeren Zeitraum absolute Konzentration und wache Reflexe notwendig sind.

 

Fazit

 

Der Trend des polyphysischen Schlafes ist nicht unbedingt das optimale Mittel, um sich am nächsten fit und ausgeruht zu fühlen. Für einzelne Menschen kann es sinnvoll sein, den Schlafbedarf auf zwei oder drei Etappen aufzuteilen. Doch für die meisten von uns wird es nicht den gewünschten Effekt bringen, zumal die gesundheitlichen Auswirkungen bei einer dauerhaften Anwendung ungleich höher sind, als die Vorteile.

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