Sekundenschlaf: Ursachen und Strategien zur Bekämpfung

 

Nahezu jeder vierte Unfall auf Deutschlands Straßen ereignet sich, weil ein Autofahrer hinter dem Steuer für wenige Sekunden einnickt. In den meisten Fällen sind es dann auch jene Verkehrsunfälle, bei denen Todesopfer zu beklagen sind. Doch wo liegen die Ursachen und wie kann man diesen Mikroschlaf, und damit einen Unfall vermeiden?

 

Wodurch kommt es zum Sekundenschlaf?

 

Lange und angespannte Tage im Büro oder bei der Arbeit generell sind für uns Menschen in der heutigen Zeit fast schon normal geworden. Kommen dann noch Stresssituationen oder Überforderung hinzu, wird die Autofahrt schnell zum Selbstmordkommando. Denn in zahlreichen Studien hat sich herausgestellt, dass derzeit ein sehr großer und stetig zunehmender Anteil der Autofahrer unter Dauerstress stehen und faktisch chronisch übermüdet sind.

Es liegt indes nicht immer nur an der temporären Übermüdung, sondern tatsächlich an einem massiven Schlafmangel, der sich bereits über einen längeren Zeitraum hinzieht. Zum Teufelskreis wird diese Tatsache, wenn die Betroffenen sich gar nicht bewusst sind, dass ihnen jeden Tag ein Stückchen mehr Schlaf fehlt, der zum sicheren Führen eines Kraftfahrzeuges unabdingbar ist.

Ähnlich wie beim Schmerzgedächtnis führt das schnell dazu, dass man die eigene Müdigkeit herunterspielt oder gar ignoriert, sich stattdessen trotzdem hinters Steuer setzt.

Hinweis: Der eigentliche Sekundenschlaf dauert in der Regel zwischen ein und zwei Sekunden. Doch nicht selten gibt es auch Fälle, bei denen das Fahrzeug fast 15 Sekunden lang führerlos ist. Autofahrer wissen sehr genau, wie weit sich das Auto in dieser Zeitspanne fortbewegt.

 

Wer gehört zu den Risikogruppen?

 

Auch wenn man davon ausgehen kann, dass für alle Menschen mit einem größeren Schlafdefizit ein hohes Risiko besteht, für Sekunden hinter dem Steuer einzunicken, gibt es dennoch Gruppen, die besonders gefährdet sind.

LKW-Fahrer, Taxifahrer und Langstreckenfahrer sind jene Personen, die ausgesprochen stark vom Mikroschlaf betroffen sein können. Das liegt vor allem daran, dass sie oft über viele Stunden nahezu regungslos hinter dem Steuer sitzen. Das monotone Fahren wird oft von einer Berieselung aus dem Radio begleitet, sodass das Gehirn schläfrig wird und irgendwann abschaltet.

Selbst jene Fahrer, die unter Termindruck stehen oder sich gedanklich mit Problemen auseinandersetzen, zählen zur Risikogruppe, denn auch hier wird das Gehirn über viele Stunden belastet, während der Blick monoton dem Straßenverlauf zu folgen versucht.

Es sind jedoch längst nicht nur die Vielfahrer, sondern auch jene Menschen, die möglicherweise an einer unentdeckten Schlafapnoe leiden und sich deswegen permanent übermüdet ans Steuer setzen.

Führerscheinneulinge und besonders junge Menschen hingegen unterschätzen die Gefahr und können meist die eigenen Kraftreserven noch nicht richtig einschätzen.

 

 

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Wie äußert sich der Sekundenschlaf?

 

Auch wenn der Sekundenschlaf für viele sehr überraschend kommt, gehen ihm immer gewisse Vorzeichen voraus. Es sollten in dieser Hinsicht also auch die Beifahrer kritisch das Fahrverhalten beobachten oder nötigenfalls hinterfragen.

Denn der Mikroschlaf äußert sich bereits einige Zeit vorher wie folgt:

  • die Aufmerksamkeit lässt nach
  • das Sehvermögen sinkt herab und wird unscharf, sodass es häufiger zum Blinzeln kommt
  • die Reaktionszeit verlängert sich
  • der Fahrer neigt zu einer höheren Gereiztheit und mehr Risikobereitschaft
  • es kommt immer häufiger zum Gähnen und Frösteln
  • die Augenlider werden schwer, häufig beginnen die Augen auch zu brennen und zu tränen
  • mitunter stellen sich Kopfschmerzen ein
  • die Fahrer werden schreckhafter, beispielsweise wenn sie plötzlich überholt werden
  • es kommt nicht selten zu Halluzinationen oder auch optischen Täuschungen
  • es tun sich Gedächtnislücken auf
  • häufig kommt es unbewusst zu übermäßigen, oft übertriebenen Schaltvorgängen
  • die Geschwindigkeit bleibt nicht mehr so ruhig und konstant wie vorher, sondern macht sich durch ein ständiges schneller – langsamer bemerkbar
  • es kommt häufiger zu übermäßigen Lenkbewegungen oder abrupten Bremsvorgängen
  • das Halten der Spur oder die Einschätzung der Abstände wird zunehmend schwieriger

Selbst wenn sich noch nicht alle Anzeichen eingestellt haben, empfiehlt es sich bei diesen Vorzeichen, den nächsten Parkplatz anzusteuern, um eine Pause einzulegen.

 

Wie kann man vorbeugen und den Sekundenschlaf vermeiden?

 

Die beste Vorbeugung ist sicherlich: Fahren Sie erst los, wenn Sie sicher sein können, dass Sie tatsächlich ausgeruht genug sind, um die vor Ihnen liegende Strecke unfallfrei und mit der größtmöglichen Aufmerksamkeit fahren zu können. Doch gerade nach einem langen Arbeitstag ist das vielleicht nicht immer möglich oder so einfach umsetzbar.

Deswegen sollten Autofahrer sich die folgenden Vorsichtsmaßnahmen zu Herzen nehmen:

  1. Fahrzeuge und auch Maschinen sollten nur dann bedient werden, wenn man genug Schlaf hatte und dementsprechend ausgeruht ist.
  2. Da der menschliche Biorhythmus besonders in der Zeit zwischen 2 und 5 Uhr morgens auf Schlaf eingestellt ist, sollten in dieser Zeitspanne Autofahrten möglichst vermieden werden.
  3. Vor langen Fahrten sollte man nur leichte Kost zu sich genommen haben, um den Organismus nicht zusätzlich zu belasten, denn schwere und fettige Mahlzeiten machen von Haus aus müde.
  4. Bei längeren Autofahrten sollte niemals auf eine 15-minütige Pause nach 5 Stunden Fahrt verzichtet werden. Dabei sollte in dieser Pause möglichst viel Frischluft und Bewegung genutzt werden, um den Kreislauf wieder in Schwung zu kriegen und wacher zu werden.
  5. Wer die Zeit hat, sollte die Pause vielleicht auch auf 30 Minuten ausdehnen und ein kurzes Nickerchen machen, bevor die Fahrt weitergeht.
  6. Auch während der Fahrt sollte immer für genügend Frischluftzufuhr gesorgt werden, wobei auch das nicht immer vor dem Sekundenschlaf retten kann.

Tipp: Kaffee, koffeinhaltige Getränke und Zigaretten sind nicht wirklich geeignet, um den Sekundenschlaf abzuwehren. Zwar helfen Kaffee und Co für eine kurze Zeit, doch die Müdigkeit wird rasch wiederkommen, wenn bereits eine massive Übermüdung vorherrscht.

Um dem Sekundenschlaf vorzubeugen hilft tatsächlich nur eins: Niemals übermüdet hinter das Lenkrad und bei langen Strecken für ausreichend Pausen sorgen, die effektiv etwas gegen die Müdigkeit helfen können. Es genügt also nicht, kurz auf einen Parkplatz zu fahren, rasch die sanitären Anlagen auszusuchen, nur um dann gleich wieder weiterzufahren.

 

Fazit

 

Sekundenschlaf gehört leider zu den häufigsten Ursachen für schwere Verkehrsunfälle. Die meisten passieren zwar in der Nacht, doch auch am Tag kann der Mikroschlaf einsetzen und zu verheerenden Unfällen mit Todesfolge führen.

Es mag Möglichkeiten geben, um das Risiko kurzzeitig zu umgehen. Wirklich abwenden kann man die Gefahr jedoch nur, wenn man sich wirklich nur ausgeruht hinter das Steuer setzt und bei langen Autofahrten für Pausen sorgt, in denen man sich bewegt und an der frischen Luft ist oder ein Nickerchen macht.

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