Was passiert beim Schlafwandeln?

 

So faszinierend das Schlafwandeln von außen betrachtet auch sein mag, es kann unter Umständen ungeahnte Gefahren mit sich bringen. Zumal die Betroffenen in dieser Phase nicht so einfach aufzuwecken sind, da sie körperliche Reize nur bedingt wahrnehmen und üblicherweise nicht reaktionsfähig sind. Doch woher kommt dieses Phänomen und was passiert mit dem Menschen, den es betrifft tatsächlich?

 

Was versteht man unter Schlafwandeln?

 

Zunächst einmal sollte man hier verstehen, dass es die sprichwörtliche „schlafwandlerische Sicherheit“ so nicht gibt. Denn Menschen, die schlafwandeln sind im Grunde alles andere als sicher.

Da macht es auch keinen Unterschied, wenn man sich bei der Vorstellung eines schlafwandlerischen Menschen, der etwas unbeholfen herumtapst, amüsiert.

Schlafwandeln, dessen wissenschaftliche Bezeichnung Somnambulismus lautet, wurde früher auch oft als mondsüchtig oder Nachtwandeln genannt.

Dabei handelt es sich um ein Phänomen, bei dem der Betroffene aus der Tiefschlafphase aufweckt und sich für den Beobachter einigermaßen wach verhält. Er setzt sich also im Bett auf und blickt aufmerksam um sich oder verlässt das Bett sogar, um eine Tätigkeit auszuführen.

Während manche nur aufstehen, um sich vielleicht auf dem Sofa erneut hinzulegen und weiterzuschlafen, gehen andere durch die Wohnung oder verlassen sogar das Haus.

Der oder die Betroffene befinden sich in einer Art Dämmerzustand, wo sie zwar ihre Umwelt wahrnehmen, sich dennoch am nächsten Tag an nichts erinnern können.

Aus wissenschaftlicher Sicht handelt es sich beim Schlafwandeln um eine Schlafstörung, die den Parasomnien zugeordnet ist. Doch im Gegensatz zu einer herkömmlichen und chronisch verlaufenden Schlafstörung, zählt das Schlafwandeln nicht zu den psychosomatischen oder anderen Krankheiten.

 

Welche Ursachen sind für diese Störung verantwortlich?

 

Die Ursachen zum Schlafwandeln sind noch nicht vollumfänglich erforscht. Auch wenn die früher angenommenen Ursachen wie der Vollmond oder eine andere Lichtquelle bereits ausgeschlossen und widerlegt werden konnte, weiß man heutzutage jedoch, dass es einen engen Zusammenhang zwischen den genetischen Veranlagungen und dem Schlafwandeln geben muss.

Denn in Familien, wo die Eltern beide schlafwandeln, kommt es auch bei den Kindern häufiger zu diesem Phänomen.

Diese besondere Art der Schlafstörungen tritt bei schätzungsweise ein bis zwei Prozent der Erwachsenen und etwa 10 bis 30 Prozent der Kinder auf. Warum die nächtlichen Aktivitäten bei Kindern stärker ausgeprägt sind und mit dem Eintritt ins Teeniealter oftmals ganz verschwinden, können sich die Wissenschaftler nur damit erklären, dass bei Kindern das Zentralnervensystem noch nicht komplett ausgebildet ist.

Einzelne Studien belegen zudem, dass offensichtlich körperliche Reize wie Harndrang oder auch äußere Reize, wie beispielsweise laute Geräusche die Schlafstörung begünstigen können.

 

Was passiert beim Schlafwandeln?

 

Das Schlafwandeln geschieht in der ersten Nachthälfte, nämlich etwa eine bis eineinhalb Stunden nach dem Einschlafen, also in der ersten Tiefschlafphase der Nacht.

Dabei passiert Folgendes:

  • durch körperliche oder äußere Reize wird das Gehirn zum Teil aktiviert
  • der andere Teil des Gehirns befindet sich auch weiterhin in der Schlafphase
  • im wachen Teil des Gehirns sitzen jedoch jene Zentren, die für die Steuerung von normalen Bewegungsabläufen wie Gehen, Kochen, Putzen oder sogar Autofahren verantwortlich sind
  • im schlafenden Teil jedoch sitzt das Bewusstsein, was aufgrund des Zustandes in diesem Teil des Gehirns immer noch ausgeschaltet und inaktiv ist
  • die Bewegungen während des Schlafwandelns passieren also automatisch, nahezu ferngesteuert

Durch das inaktive Bewusstsein nehmen Betroffene in dieser Phase kaum Schmerz, Hitze oder Kälte wahr. Deswegen wird das Schlafwandeln auch schnell zu einer Gefahr für diese Personen. Denn in der Regel spüren sie weder, dass sie sich stoßen, am Herd verbrennen oder vielleicht im Nachthemd in der eisigen Kälte einer Winternacht vor dem Haus stehen.

Das Aufwecken funktioniert selten von ganz allein. Sofern Angehörige diesen Versuch unternehmen, werden sie entweder kein Glück haben oder die aggressive Reaktion der Betroffenen zu spüren bekommen.

Was auch nur natürlich ist, denn die Schlafwandler befinden sich immer noch in der Tiefschlafphase und sind deswegen durchaus orientierungslos und vermutlich sehr verstimmt, wenn man sie aufweckt.

 

 

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Was kann man dagegen tun?

 

Für Betroffene, die unter Umständen allein leben, wird es ohnehin schwierig, überhaupt festzustellen, dass sie schlafwandeln. Zumindest, solange es während dieser Phase nicht zu einem Unfall oder Ähnlichem kommt.

Sind es jedoch die Partner und Familienangehörige, die feststellen, dass jemand schlafwandelt, ist die Sache schon ein wenig einfacher, denn dann kann man aktiv etwas dagegen tun.

Möglichkeiten, um die schlafwandlerischen Phasen einzuschränken und in den Griff zu bekommen sind:

  1. Erwachsene sollten auf Alkohol verzichten, da dieser die Tiefschlafphase verändern kann und zudem die Aufwachschwelle erhöht.
  2. Schlafmangel sollte tunlichst vermieden werden, da auch dieser die Tiefschlafphase verändert. Wichtig sind also regelmäßige Zeiten zum Schlafengehen.
  3. Meditation, Autogenes Training oder auch Progressive Muskelrelaxation können helfen, die nächtlichen Ausflüge zu unterbinden und die Aufwachstörung zu beseitigen.
  4. Sollte Stress die Ursache für die Aufwachstörung sein, kann eine kognitive Verhaltenstherapie oder eine Psychotherapie sehr wirksam gegen Schlafwandeln wirken.
  5. Mittels Autosuggestion kann das eigene Verhalten praktisch umprogrammiert werden. Das geschieht im entspannten Zustand und sollte anfänglich von einem erfahrenen Therapeuten begleitet werden.
  6. Mit einem kleinen Trick können sich Betroffene selbst helfen. Sie sollten sich einen Wecker stellen, der kurz vor Ende der ersten Tiefschlafphase klingelt. Diese Möglichkeit birgt allerdings den Nachteil in sich, dass die Durchschlafqualität allgemein herabsinkt und es häufig zu Tagesmüdigkeit führen kann.

Unter ärztlicher Kontrolle können die Tiefschlafphasen auch dahingehend beeinflusst werden, dass sie mittels Medikamente verkürzt werden, um das Schlafwandeln zu verhindern. Da aber bei diesen Benzodiazepinen ein Gewöhnungseffekt und die Gefahr der Abhängigkeit bestehen, ist diese Methode immer mit Vorsicht zu betrachten.

Hinweis: Kinder sollten gar nicht in dieser Form behandelt werden. In der Regel ist es bei ihnen auch gar nicht nötig. Doch Eltern sollten hier dem psychischen Druck und Stress viel Beachtung schenken, da Kinder vornehmlich dann verstärkt schlafwandeln, wenn beispielsweise sie kurz nach der Einschulung unter Stress stehen. Hier sind also autogenes Training und andere Entspannungsübungen sehr hilfreich, damit sie lernen, mit diesen Stresssituationen besser umzugehen.

 

Fazit

 

Das Schlafwandeln gehört zu den Schlafstörungen, genau genommen ist es eine Aufwachstörung, die in der ersten Tiefschlafphase passiert. Dabei wird nur eine Hirnhälfte wach, während die andere noch im Schlaf versunken ist. Dadurch kann der Betroffene zwar gehen, kochen oder Auto fahren. Allerdings geschieht dies alles unbewusst und durch die wachen Gehirnregionen automatisch gesteuert.

Autogenes Training ist nur eine Methode, um Stress abzubauen und die Tiefschlafphase positiv zu beeinflussen, damit das Schlafwandeln nicht zum Dauerzustand wird.

 

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