Schlaftypen: Eule oder Lerche?

Wir alle haben ein unterschiedliches Schlafverhalten und natürlich auch dementsprechend verschiedene Gewohnheiten. Während die einen sozusagen mit den Hühnern ins Bett gehen und früh wieder wach sind, lieben die anderen es, die Nacht zum Tag zu machen und dafür länger zu schlafen. Die Rede ist hier von den unterschiedlichen Schlaftypen Eule und Lerche. Was es damit auf sich hat und welche Ursachen für das unterschiedliche Schlafverhalten verantwortlich sind, haben wir für Sie einmal etwas näher unter die Lupe genommen.

 

Die Gene bestimmen den Schlaftyp Eule oder Lerche

Ob jemand eher den Eulen oder den Lerchen zuzuordnen ist, hängt immer von der genetischen Veranlagung ab. Natürlich kommen im Alltag immer noch die individuellen Lebensumstände hinzu, doch amerikanische Wissenschaftler fanden heraus, dass es tatsächlich vom Erbgut abhängt, ob man frühmorgens leicht oder nur schwer aus dem Bett kommt.

Denn auch wenn jemand zum Beispiel eine Nachteule ist, wird er beizeiten aufstehen müssen, um pünktlich in die Arbeit zu kommen. Beide Schlaftypen gehören zu den extremen Varianten im Schlaf-Wach-Rhythmus. Während wohl die meisten Menschen eher in den Normalbereich dazwischen zuzuordnen sind, sind bei den Eulen und Lerchen wichtige Unterscheidungsmerkmale festzustellen:

  • Eulen: Sie erreichen häufig erst in den Abendstunden ein absolutes Leistungshoch. Morgens aber kommen sie nur schwer in die Gänge und sind längst nicht so leistungsstark.
  • Lerchen: Ihre Leistungskurve ist besonders früh auf einem hohen Level. Dafür werden sie aber auch wesentlich früher müde.

Diese unterschiedlichen Leistungshöhen werden vom Takt der biologischen Uhr bestimmt, die bei jedem Menschen etwas anders tickt. Auch hier sind die Gene als Ursache zu sehen.

 

Die biologische Uhr gibt den Takt vor

Der Begriff innere Uhr ist weitläufig bekannt. Doch nur die wenigsten wissen, was es tatsächlich damit auf sich hat. In jedem Organ und in jeder Zelle befindet ein kleiner Taktgeber, der entscheidenden Einfluss auf den individuellen Schlaf-Wach-Rhythmus nimmt.

Darüber hinaus sitzt oberhalb der sich überkreuzenden Sehnerven ein Neuronenbündel im Gehirn, der suprachiasmatische Nucleus, welcher ausschlaggebend dafür ist, wie die innere Uhr bei einem Menschen tickt und zu welchem Schlaftyp er gehört.

Doch nur etwa 15 Prozent aller Menschen gehören zu den Eulen- und Lerchentypen. Bei allen anderen ist der innere Takt eher auf einen Schlaf-Wach-Rhythmus im Mittelfeld eingestellt.

Neben den Genen ist aber auch das Alter ein Indikator für den jeweiligen Schlaftyp. Denn gerade Kleinkinder gehören irgendwie immer zu den Frühaufstehern, während die meisten Teenager eher konsequente Nachteulen sein können, die bevorzugt gern länger schlafen und ältere Menschen wieder gehäuft früher aufstehen.

 

Eulen und Lerchen und die täglichen Herausforderungen

Jedoch haben sowohl Eulen als auch Lerchen in der heutigen Zeit verstärkt mit Herausforderungen zu kämpfen, die nicht immer im Einklang mit ihrer inneren Uhr stehen. Sehr häufig können sich dadurch Probleme einstellen, denn den biologischen Takt verändern zu wollen, funktioniert einfach nicht.

Selbst jahrelanges Trainieren wird diese Tatsache niemals vollständig verändern können, weil sich eben die genetischen Bedingungen niemals ändern werden.

Zu den täglichen Herausforderungen, die die jeweiligen Schlaftypen am meisten fordern, gehören:

  • Nachtarbeit: Wer einen Beruf ausübt, der immer zur Nacht stattfindet, lebt praktisch immer entgegen der inneren Uhr. Das macht selbst Eulen hin und wieder Probleme, denn unser Schlaf-Wach-Rhythmus und vor allem unser Schlafbedürfnis hängen immer auch vom Tageslicht ab. Es wird trotz der künstlichen Beleuchtung immer zu einem gewissen Ausstoß an Melatonin kommen, sodass man auch müde wird, wenn man nachts im beleuchteten Büro als Nachtwächter sitzt.
  • Schichtarbeit: Die mit der Schichtarbeit verbundenen unregelmäßigen Schlafenszeiten können sehr zermürbend wirken. Man könnte es auch chronischen Jetlag nennen, dem sich Schichtarbeiter ausgesetzt sehen. Selbst bei jahrelanger Tätigkeit in solchen Wechselschichten kommt es immer wieder zu Schlafstörungen, die kaum einer von allein beseitigen kann. Auf Dauer also für jeden Schlaftyp durchaus eine sehr ungesunde Angelegenheit.
  • Zeitumstellung: Vor allem die jährliche Umstellung auf die Sommerzeit macht sehr vielen Menschen zu schaffen. Denn seit Urzeiten ist der Mensch eigentlich auf die Normalzeit eingestellt. Erst der Fortschritt und die wirtschaftliche Weiterentwicklung unserer zivilisierten Welt hat es mit sich gebracht, dass es so etwas wie frühen Arbeitsbeginn, Schichtarbeit und vieles mehr gibt. Doch von Natur aus sind wir nun einmal alle eher die Winterzeit-Spezies. Mit dieser Normalzeit kommt unsere innere Uhr am besten zurecht, während die Sommerzeit immer mehr Menschen in die Problematik versetzt, zu müde zum Aufstehen zu sein.

 

Warum gibt es Lang- und Kurzschläfer?

Ob jemand zu den Langschläfern oder Frühaufsteher gehört, hängt nicht zuletzt auch von dem unterschiedlichen Schlafbedürfnis ab. Während die meisten Menschen mit einer Schlafdauer von etwa sieben bis acht Stunden hervorragend zurechtkommen, gibt es immer wieder Menschen, die entweder mehr oder weniger Schlaf benötigen, um sich fit und ausgeruht zu fühlen.

Doch wer weniger als sechs Stunden in der Nacht schläft, gilt als sogenannter Kurzschläfer. Wer mehr als acht Stunden schläft, wird als Langschläfer bezeichnet.

Natürlich sind das immer nur Mittelwerte. Zudem sind damit nicht jene Tage oder Nächte gemeint, in denen das Schlafbedürfnis vom Normalen abweicht. Schließlich kann es jedem passieren, dass er hin und wieder mehr Schlaf benötigt. Vielleicht weil die Arbeitswoche einfach zu stressig war oder die Geburtstagsfeier etwas länger ging.

Forscher vermuten, dass die unterschiedliche Schlafdauer mit der Schlafqualität und der Intensität zusammenhängt. So scheinen Kurzschläfer effizienter schlafen zu können, weil ihre Tiefschlafphasen tiefer sind. Doch je tiefer diese Phase ist, umso besser und schneller kann sich der Körper regenerieren und erholen. Langschläfer aber haben nachweislich einen sehr viel leichteren Tiefschlaf, in dem sie auch sehr viel mehr träumen, als Kurzschläfer.

Ebenso haben Forschungen ergeben, dass das individuelle Schlafbedürfnis mit zunehmendem Alter abnimmt. Während Neugeborene und Babys bis zu 20 Stunden Schlaf benötigen, reicht es den über 60-jährigen oftmals, wenn sie nur noch rund 5 Stunden schlafen.

 

Fazit

Zu welchem Schlaftyp man gehört, hängt von den Genen ab. Selbst äußere Einflüsse wie Schichtarbeit oder Zeitumstellung können an diesem von Natur aus vorgebenden Schlaftyp nichts ändern. Wohl aber beeinflussen diese alltäglichen Herausforderungen die Schlafqualität. Denn wer eigentlich eine Eule ist und trotzdem früh aufstehen muss, wird sich ebenso schwer tun, wie eine Lerche, die man zur Nachtarbeit einsetzt.

Zudem ist die innere Uhr eines jeden dafür verantwortlich, wann bei Lerchen und Eulen die Leistungsgrenze auf einem Hoch steht und wann ein absolutes Minimum erreicht. Doch leider lassen sich diese individuellen Merkmale nicht immer in den Alltag integrieren. Das bedeutet, dass nahezu jeder Schlaftyp immer mal wieder entgegen seines individuellen Schlaf-Wach-Rhythmus agieren muss.

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