Finger weg von Schlaftabletten

 

Wer nachts nicht schlafen kann oder auch schon beim Einschlafen ewig lang wach liegt, kann ein Lied davon singen, wie frustrierend das sein kann. Denn wenn man eigentlich müde ist und sich nach dem erholsamen Schlaf sehnt, wird jede Minute zur Unendlichkeit. Viele Menschen sind dann schnell an einem Punkt angelangt, wo der Griff zur medikamentösen Einschlafhilfe fast schon alltäglich wird. Doch Vorsicht: Finger weg von Schlaftabletten! Sie bergen mehr Gefahren für die Gesundheit, als man zunächst annimmt.

 

Welche Gefahren können von Schlaftabletten ausgehen?

 

Zunächst einmal sollte man sich immer darüber im Klaren sein, dass Schlaftabletten die tatsächlichen Ursachen für die Schlafstörung nicht beseitigen können. Darüber hinaus sollten sie immer nur für eine kurze Zeit eingenommen werden, da ansonsten eine massive Suchtgefahr besteht.

Zudem bringt die Einnahme über einen weitaus längeren Zeitraum den Nachteil, dass sie dann nicht mehr wirken und beim Einschlafen helfen können. Alles was dann noch funktioniert, hängt mit dem sogenannten Placebo-Effekt zusammen, der allein auf Fehlinformationen vom Gehirn hin einsetzt.

Darüber hinaus bergen Schlafmittel immer auch die Gefahr, dass durch die Einnahme unverhältnismäßig starke Nebenwirkungen auftreten können, die im schlimmsten Fall sogar krank machen können. Diese Nebenwirkungen sind zum Teil recht umfangreich:

  • Konzentrationsstörungen
  • Tagesmüdigkeit
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Kopfschmerzen
  • Stoffwechselstörungen
  • Depressionen

Spätestens an dieser Stelle drängt sich die Frage auf, warum Schlaftabletten nehmen, wenn man sich dadurch noch müder oder kränker fühlt? Zumal sich sogar der Schlafzyklus negativ verändern kann, wenn man regelmäßig Schlaftabletten einnimmt. Denn solche chemisch hergestellten Schlafmittel unterdrücken die REM-Phase, also die Traumphase.

Doch gerade diese Phase des Schlafzyklus ist ausgesprochen wichtig, will man sein seelisches Gleichgewicht beibehalten. Während Schlafunterbrechungen zwar auch Auswirkungen auf die Psyche haben und durchaus auch Stimmungschwankungen hervorrufen können, bewirkt die Veränderung der REM-Phase sehr oft starke Depressionen.

Hinweis: Schlaftabletten oder andere Mittel mit diesen chemischen Wirkstoffen können die Körperfunktionen massiv beeinträchtigen.

 

Gibt es Unterschiede in den Wirkweisen?

 

Als Schlafmittel werden ganz unterschiedliche Medikamente eingesetzt. Längst ist es nicht mehr nur die eine Schlaftablette. Doch ihre Wirkweisen scheinen zwar ähnlich zu sein, aber trotzdem sind allesamt nicht wirklich förderlich für das gesundheitliche Wohlbefinden.

Eines haben die nachfolgenden Mittel aber gemeinsam: Sie wirken relativ schnell und mit jeder Menge Nebenwirkungen.

Antihistaminika: Ursprünglich werden mit diesen zum Teil rezeptfreien Medikamenten Allergien behandelt, doch sie machen auch müde, weswegen sie ganz gern als Schlafmittel verwendet werden. Doch die Nebenwirkungen sind nicht wirklich gut zu heißen. Denn sie unterdrücken die REM-Phase und führen oft zu Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden und einer unangenehmen Mundtrockenheit. Die Zusammensetzung dieser Mittel macht zwar nicht abhängig im herkömmlichen Sinne, doch das Gehirn gewöhnt sich sehr schnell an die Wirkstoffe. Die Folge ist: Man wird nicht mehr müde und muss die Dosis erhöhen.

Benzodiazepine: Hier steckt einiges an Suchtpotenzial dahinter, denn alle Schlafmittel mit der Endung -am, machen abhängig. Zudem stören sie alle das Reaktionsvermögen und besonders massiv das Atemzentrum im Gehirn. Das kann bei einem zusätzlichen Alkoholgenuss neben all der anderen Nebenwirkungen dazu führen, dass der Betroffene zwar schnell einschläft, dann aber die Atmung aussetzt.

Z-Schlafmittel: Mit Ausnahme der Störung des Atemzentrums im Gehirn wirken alle Schlafmittel, deren Wirkstoff mit einem Z beginnt, ebenso wie Benzodiazepine. Angefangen von den Nebenwirkungen besteht auch bei ihnen ein hohes Suchtpotenzial, wodurch es beim Absetzen des Medikamentes zu sehr starken Entzugserscheinungen kommen kann.

Barbiturate: Diese Medikamente sind in Deutschland seit 1993 eigentlich nicht mehr auf dem Markt, also nicht mehr als Schlafmittel zugelassen. Abgesehen von ihrem Suchtpotenzial und den unangenehmen Nebenwirkungen, waren sie im Zusammenspiel mit Alkohol eine tödliche Mischung. Besonders nachteilig waren hier der lange Verbleib im Blut und die Unterdrückung der REM-Phase.

 

Welche Alternativen gibt es?

 

Es ist natürlich sehr belastend, wenn man nicht schnell oder gut ein- und durchschlafen kann. Doch der Griff zur Schlaftablette sollte tatsächlich der allerletzte Weg sein, um zum Schlaf zu kommen. Wenigstens das, denn wirklich erholsam ist die Nachtruhe unter Einfluss von Schlafmitteln nämlich nicht.

Zumal es tatsächlich wirksamer und weitaus gesündere Alternativen gibt, um gut schlafen zu können. Natürlich sollte man immer erst die Ursachen für die Schlafstörungen herausfinden. Sofern es nicht an der Schlafumgebung und der individuellen Schlafhygiene liegt, können auch krankheitsbedingte Ursachen vorliegen, die man aber in jedem Fall mit einem fachlich kompetenten Arzt gemeinsam in Angriff nehmen sollte. Das hat nicht immer etwas mit der körperlichen Befindlichkeit zu tun, denn bei Schlafstörungen sind es in der Regel psychische Belastungen und Erkrankungen, die dafür verantwortlich sind, dass man nicht schlafen kann.

Sind die Ursachen bekannt oder konnten aus ärztlicher Sicht Erkrankungen ausgeschlossen werden, können unter anderem die folgenden Alternativen durchaus erfolgversprechend sein:

  • ein geregelter und vor allem entspannter Ablauf der Zeit vor dem Zubettgehen
  • Meditationsübungen, um Körper und Geist bereits vor dem Hinlegen in ruhigere Bahnen zu lenken
  • Kräutertees aus Hopfen, Baldrian, Melisse und Lavendel
  • ausreichend Bewegung am Tag, möglichst an der frischen Luft, da auf diese Weise genügend Serotonin im Körper vorhanden ist, welches am Abend in Melatonin umgewandelt werden kann
  • ein entspannendes Bad mit Badezusätzen aus Melisse, Baldrian oder auch Hopfen
  • progressive Muskelentspannung und autogenes Training, bei dem der beruhigende Duft von speziellen Kerzen oder Kräuterkissen eingeatmet wird
  • feste Zubettgehzeiten auf die der Körper sich einstellen kann

Tipp: Vor allem Hausmittel aus Großmutters Zeiten sind oftmals die bessere Wahl im Gegensatz zur Schlaftablette.

 

Fazit

 

Wer sich ein wenig Mühe macht, um die Ursachen für die eigenen Schlafstörungen herauszufinden, tut gut daran, diese Gründe zuerst zu  beseitigen. Sei es durch eine alternative Verhaltenstherapie, um beispielsweise Ängste und Stress besser zu bewältigen oder auch krankheitsbedingte Unruhezustände und Symptome zu minimieren.

Ist dieser Schritt getan, sollten Schlafumgebung, Bettausstattung und Schlafhygiene selbstkritisch unter die Lupe genommen werden. Gehen von diesen Faktoren keine Ursachen für die Schlafstörung aus, sollte auf die gesünderen Alternativen zurückgegriffen werden, anstatt auf Schlaftabletten.

Denn diese Mittel können nicht nur abhängig machen, sondern auch massive Beschwerden aufgrund der Nebenwirkungen hervorrufen. Zudem bringen Schlaftabletten ohnehin keinen erholsamen und gesunden Schlaf mit sich. Vielmehr legen sie oftmals den Grundstein für Folgeerkrankungen wie Depressionen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Schlaftabletten sollten, wenn überhaupt, nur unter ärztlicher Kontrolle und nur für einen sehr geringen Zeitraum eingenommen werden.

 

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