Ist bei offenem Fenster schlafen gesund?

 

Es steht außer Frage, dass wir Sauerstoff brauchen, um überleben zu können. Ebenso steht es um den Schlaf, der möglichst störungsfrei sein sollte, damit er genau den Erholungseffekt bringt, den unser gesamter Organismus braucht, um gesund zu bleiben. Doch ob der Schlaf bei offenem Fenster tatsächlich gesünder ist, darüber streiten sich die Geister.

 

Welche Vorrausetzungen braucht der gesunde Schlaf?

 

Grundsätzlich hat das alte Sprichwort „wie man sich bettet, so schläft man“ für den gesunden Schlaf seine Wichtigkeit niemals verloren. Ist es doch nach wie vor von großer Bedeutung, dass das Bett inklusive der Matratze den eigenen Bedürfnissen und Ansprüchen entspricht.

Jedoch zeigt sich immer wieder, dass es auch andere Faktoren gibt, die den gesunden und erholsamen Schlaf beeinflussen können.

So zählen die folgenden Aspekte immer aus Voraussetzung, will man den lebenswichtigen Schlaf richtig und gesund nutzen, um sich von den Mühen des Alltags zu erholen.

  • ein gesundes Raumklima, bei dem die Zimmertemperatur niemals höher als 17 bis 20 Grad liegen sollte
  • eine ruhige Atmosphäre, bei dem weder Geräusche noch Lichteinflüsse störend auf den Schlaf wirken können
  • eine Bettausstattung, die angefangen von der Matratze bis hin zur Bettwäsche optimiert und den individuellen Bedürfnissen angepasst sein sollte
  • eine möglichst feste Zubettgehzeit, die an den eigenen Biorhythmus angelehnt ist
  • entspannende Rituale, mit denen man Körper und Geist möglichst schon vor dem Zubettgehen beruhigt und entspannt
  • eine gesunde Lebensführung, bei der unter anderem auf schweres und spätes Essen ebenso verzichtet wird wie auf übermäßigen Tabak-, Alkohol– und Koffeingenuss

In puncto Schlafzimmertemperatur mahnen Experten, dass es sich dabei immer um eine Temperatur handeln sollte, bei der man weder schwitzt noch friert. Denn beides kann den Schlaf deutlich stören. So wird gerade in der kalten Jahreszeit dazu geraten, kurz vor dem Schlaf noch einmal kurz zu lüften, um den Sauerstoffgehalt anzuheben. Die Heizung aber sollte herunter gedreht werden, um den Raum nicht zu überheizen.

 

Welche Vorteile und Nachteile hat es, bei offenem Fenster zu schlafen?

 

Ein offenes Fenster im Schlafzimmer bringt natürlich frische Luft ins Zimmer. Doch ist das in jedem Fall so förderlich für den Schlaf? Wir haben einmal die Vor- und Nachteile gegenüber gestellt:

  • Frischluftzufuhr:

Vorteil: Es gibt ständig Nachschub an unverbrauchter Luft und die Luftzirkulation ist recht hoch.

Nachteil: So frisch ist die Luft nicht immer, denn durch offene Fenster dringen an belebten Straßen immer auch Abgase ein. Zudem ist die Gefahr der Pollenbelastung zu den jeweiligen Zeiten sehr viel höher.

  • Raumtemperatur:

Vorteil: Nur in sehr heißen Sommernächten kann hier das offene Fenster von Vorteil sein.

Nachteil: In den kalten Winternächten wird sich die Raumtemperatur nicht auf ein Optimum regeln, sondern deutlich herabsinken. Zu kalt ist aber nicht förderlich für einen gesunden Schlaf.

Raumklima:

Vorteil: Im Sommer mag es sinnvoll und gesund sein, bei offenem Fenster zu schlafen, da durch die Luftzirkulation immer auch das Raumklima gesund ist.

Nachteil: Ist es draußen kalt und nass, wird die Temperatur im Schlafzimmer derart herabsinken, dass das Raumklima sehr viel feuchter wird, was schlussendlich auch Schimmelpilzbefall nach sich ziehen kann.

Abhärtung:

Vorteil: Das Immunsystem wird gestärkt, wenn man auch bei etwas kühleren Temperaturen schläft.

Nachteil: Es kann schnell zu Erkältungen führen, wenn man bei offenen Fenster schläft und es draußen zu kalt oder zu nass ist. Zudem liegt man nicht immer komplett unter der Decke. Denn durch die Schlafbewegungen liegen manchmal Körperteile frei, was selbst im Sommer dazu führt, dass man Zug abbekommt.

 

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Was sagt die Wissenschaft zu diesem Thema?

 

Eine Studie, die an der Johannes Gutenberg Universität in Mainz zu diesem Thema durchgeführt wurde, sagt aus, dass es nicht wirklich in jedem Fall gesünder ist, bei offenem Fenster zu schlafen.

Selbst jene Menschen, die mitten in der Großstadt wohnen und ohnehin faktisch den ganzen Tag einem höheren Geräuschpegel ausgesetzt, als beispielsweise Bewohner ländlicher Gegenden, schlafen bei geschlossenem Fenster ruhiger und tiefer. Das hat biologische Gründe, sagen die Forscher. Denn jedes Geräusch, das wir bewusst oder unbewusst beim Schlafen wahrnehmen, löst Stress in unserem Körper aus.

Die Folgen bei einer dauerhaften Lärmbelästigung, wie sie bei offenem Fenster nachts entsteht, sind unter anderem:

  • Bluthochdruck
  • Herz-Kreislauf-Beschwerden
  • Schlaganfall-Risiko
  • Angstzustände
  • Depressionen

Nachts nehmen wir Geräusche sehr viel lauter wahr, als am Tag. So liegt die Lärmbelästigung durch ein vorbeifahrendes Auto in 10 Meter Entfernung bei etwa 75 Dezibel und bei einem LKW bei etwa 95 Dezibel. Alle Werte, die über 65 Dezibel liegen, sind jedoch als gesundheitsschädigend eingestuft. Deswegen raten Wissenschaftler davon ab, bei offenem Fenster zu schlafen.

In puncto Abhärtung konnte die Wissenschaft bisher nicht beweisen, dass es tatsächlich abhärtet, wenn man zu jeder Jahreszeit bei offenem Fenster schläft. Wer sein Immunsystem wirklich effektiv stärken will, sollte also besser auf Wechselduschen setzen.

 

Was kann man also tun?

 

Wer beispielsweise an einer vielbefahrenen Straße wohnt und keine Möglichkeit hat, das Schlafzimmer in eine ruhigere Ecke der Wohnung zu verlegen, sollte bei geschlossenen Fenstern schlafen oder auf die bewährten Ohrstöpsel vertrauen.

Bei Allergikern empfiehlt sich ohnehin ein Stoßlüften zu einer Zeit, in der der Pollenflug noch nicht so dominant ist. Auf dem Land sind es meist die Abendstunden, die ideal für eine ausreichende Belüftung sind. Denn zum Abend hin nehmen die dort Pollenbelastungen üblicherweise stark ab. In der Stadt verhält es sich gerade anders herum. Dort sollte man als Allergiker möglichst die frühen Morgenstunden nutzen, um das Schlafzimmer gründlich zu lüften.

 

Fazit

 

Pauschalisieren lässt sich das natürlich alles nicht. Immerhin schläft nicht jeder direkt an einer verkehrsreichen Straße oder leidet an einer Pollenallergie. Es kommt also generell auf die eigenen Befindlichkeiten an, ob man sich nun dazu entschließt, bei offenem oder geschlossenem Fenster zu schlafen.

Jeder muss für sich und seine individuelle Wohnumgebung entscheiden, ob bei ihm die Vorteile oder die Nachteile überwiegen. Auf jeden Fall sollte man immer das Raumklima, die Temperatur im Schlafzimmer und die eigenen Schlafgewohnheiten in den Fokus rücken. Denn wer sehr unruhig schläft und sich deswegen auch öfter aufdeckt, wird direkt unter dem geöffneten Fenster eher ungesund schlafen, denn hier kann es selbst im Sommer eher ungesund werden.

 

Foto: © Alexandr Vasilyev #97465710 stock.adobe.com