Hilft Schäfchenzählen beim Einschlafen?

 

Wer kennt es nicht? Man ist müde und abgespannt vom aufregenden Alltag, legt sich ins Bett und erhofft sich die wohlverdiente Ruhe. Doch immer mehr Menschen haben bereits in der Einschlafphase Probleme, wirklich abzuschalten und in kurzer Zeit gut einzuschlafen. So manch einer erinnert sich dann an den Tipp der Großmutter, die uns einst erzählte, dass man Schäfchen zählen soll und dann schnell einschlafen kann. Doch hilft das Schäfchenzählen tatsächlich beim Einschlafen oder ist es eher ein Mythos?

 

Was ist die Einschlafphase?

 

Wie der Name schon verrät, ist die Einschlafphase jene erste Schlafphase, mit der wir den Schlafzyklus starten. Das bedeutet: Wir legen uns ins Bett, machen die Augen zu und schlafen ein. Theoretisch! Praktisch klappt das in vielen Fällen nicht einfach so.

Das liegt in der Regel daran, dass unser Gehirn noch wach ist und nicht selten gefühlt tausend Gedanken durch den Kopf rasen. Das können Erlebnisse, Sorgen und Probleme vom ausklingenden Tag sein oder auch Pläne, Vorhaben und Ziele des kommenden Tages.

Die Einschlafphase wird von Experten auch oft als das erste Schlafstadium bezeichnet, welches den anderen Schlafphasen vorangeht.

Diese teilen sich bei jedem Menschen wie folgt ein:

  1. Einschlafphase – in welcher der gesamte Organismus praktisch herunterfährt, sich beruhigt und zunehmend entspannt. Dabei verlangsamen sich die Atmung und der Pulsschlag, sodass viele Menschen sich in dieser Phase zunehmend schwerelos fühlen. Doch selbst kleinste Störungen können uns wieder aufschrecken lassen.
  2. Leichtschlafphase – sie ist eng mit der ersten Phase gekoppelt und tritt sozusagen am Ende der Einschlafphase auf. Hier minimiert sich nun auch die Hirnaktivität und das Bewusstsein wird faktisch ausgeschaltet.
  3. Tiefschlafphase – ist geprägt von einem tiefen und festen Schlaf, aus dem wir nur sehr schwer aufwachen. Diese Phase ist aber genau jene, die wir und unser Körper für die regenerative Erholung brauchen, denn in dieser Zeit werden Zellen repariert und erneuert.
  4. Traumphase – häufig als REM-Phase bezeichnet, aktiviert sich die Gehirnaktivität und die Augen beginnen sich unter den geschlossenen Lidern schnell zu bewegen. Während wir träumen, werden emotionale Eindrücke und Erlebnisse sowie Informationen verarbeitet.
  5. Aufwachphase – in welcher langsam das Bewusstsein zurückkehrt, das Gehirn wieder aktiver wird und der gesamte Organismus in den Wachzustand wechselt.

Die einzelnen Phasen des Schlafzyklus wechseln sich über Nacht mehrmals ab, bleiben aber immer in der gleichen Reihenfolge. Demzufolge werden wir auch beim Schlafen wach. Da dieses Aufwachen jedoch beim gesunden Schlaf immer nur sehr kurze Momente sind, bekommt man das selten mit. Denn das Gehirn speichert diese wachen Momente nur dann ab, wenn diese Phase länger als eine Minute dauert.

Bei einem gesunden und ungestörten Schlaf gelingt das Einschlafen nach diesen kurzen Wachmomenten auch immer recht schnell, ohne dass man wirklich bewusst wach ist und seine Umgebung wahrnimmt.

 

Welchen Stellenwert nimmt diese Schlafphase ein?

 

Die Einschlafphase nimmt durchaus einen sehr hohen Stellenwert ein. Zum einen natürlich unter dem Gesichtspunkt: Wer schnell und möglichst innerhalb von 10 bis 20 Minuten einschläft, hat kein Problem und gelangt schneller in die erholsame Tiefschlafphase.

Auf der anderen Seite ist es jedoch gerade die Phase des Einschlafens, bei der vorher Gelerntes sehr viel besser abgespeichert werden kann. Von daher macht es beispielsweise wirklich Sinn, kurz vor dem Schlafen noch einmal den Lernstoff anzuschauen, den man am nächsten Tag beispielsweise in der Schule oder beim Studium abrufen können muss.

Denn nur in der Einschlafphase beziehungsweise der Leichtschlafphase ist es dem Gehirn möglich, Gelerntes vom Kurzzeitgedächtnis in das Langzeitgedächtnis zu verschieben und dort abzuspeichern. Forscher fanden in diesem Zusammenhang heraus, dass dafür periodisch auftretende Hirnstrommuster verantwortlich sind.

Diese treten jedoch nur in der ersten Phase des Schlafes auf und dauern gerade einmal eine Sekunde. Im Grunde ist also eine störungsfreie Einschlafphase oder auch ein erholsamer Leichtschlaf sehr wichtig, wenn es um die Optimierung der Gedächtnisleistung geht.

 

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Ist Schäfchenzählen eine sinnvolle Methode oder nur eine Volksweisheit?

 

Es ist schon ein wenig verführerisch, denn gerade Schafe assoziieren wir mit Wärme, Gemütlichkeit und federleichten Wolkenspielchen. Warum also nicht beim Zählen der flauschigen Tiere einschlafen? Möglich ist es bei manchen Menschen, doch das sind eher die Ausnahmen. Denn wenn wir mit geschlossenen Augen die über einen Zaun hüpfenden Schäfchen zählen, muss unser Gehirn weiter aktiv bleiben. Sonst verzählen wir uns und müssen von vorn beginnen. Doch so lange unser Bewusstsein noch nicht abgeschaltet hat, wird genau diese Feststellung dazu führen, dass wir wieder wacher werden.

Zudem kann die Eintönigkeit des Schäfchenzählens durchaus störend auf uns wirken, weswegen das mit dem Einschlafen gar nicht so gut klappt. Was nicht wirklich verwundert, denn je mehr Schafe über den imaginären Zaun gesprungen sind, umso mehr müssen wir uns konzentrieren, damit wir nur ja keine Zahl auslassen.

Im Übrigen vermutet man, dass die Methode des Schäfchenzählens aus einer Zeit stammt, in der reale Schäfer neben ihrer Herde saßen und immer die Vollständigkeit überprüften, indem sie ihre Schafe durchzählten. Nicht selten sind sie dabei eingeschlafen und mussten nach dem Aufwachen von vorn beginnen. Allerdings sind sie wohl kaum eingeschlafen, weil sie Schäfchen zählten, sondern wohl eher, weil sie einfach sehr müde waren.

 

Welche Alternativen helfen beim Einschlafen?

 

Während das herkömmliche Schäfchenzählen nicht unbedingt beim Einschlafen hilft, kann die Vorstellung einer ruhigen und entspannten Szenerie sehr viel besser dabei helfen, schnell und gut einzuschlafen. Ein ruhig daliegender See oder das Ufer des Meeres, bei dem die Wellen sanft auf das Ufer treffen, sind beispielsweise sehr viel bessere Alternativen, um die Gedanken zu beruhigen.

In einer Studie konnten Forscher nachweisen, dass die Teilnehmer, die Schäfchen zählten, sehr viel schlechter einschliefen und am Ende eher gefrustet waren, anstatt müde. Dem gegenüber sollte sich die Vergleichsgruppe vorstellen, sie würden sich an einem Bach befinden oder auf einer Wiese liegen, um den Wolken nachzuschauen.

Das Ergebnis: Die Vergleichsgruppe war innerhalb von 20 Minuten eingeschlafen.

 

Fazit

 

Jeder kennt die Methode des Schäfchenzählens, um besser und schneller einzuschlafen. Doch nur bei sehr wenigen Menschen funktioniert das tatsächlich. Um die Gedanken zur Ruhe zu bringen, braucht es eher eine ruhigere Szenerie, die man sich vorstellt. Dann klappt es auch mit dem Einschlafen.

 

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