Was ist eine psychophysiologische Insomnie?

 

Nicht gut oder immer nur zu wenig schlafen zu können, weil es immer wieder zu einer Schlafstörung kommt, ist für viele sehr belastend und zehrt an den Kräften. Denn daraus resultieren Konzentrations-, Leistungs- und Gedächtnisverlust. Während jedoch bei üblichen Schlafstörungen oft äußere Umstände daran schuld sind, liegen die Ursachen bei einer psychophysiologischen Insomnie ganz woanders.

 

Woher kommt eine psychophysiologische Insomnie?

 

Eigentlich ist es eine Schlafstörung, die chronisch verläuft und zunächst keine wirklichen physischen oder psychischen Ursachen hat. Vielmehr sprechen Schlafmediziner hier von einer sogenannten angelernten Schlaflosigkeit. Denn bei einer psychophysiologischen Insomnie ist ein Fehlverhalten im Grunde schuld daran, dass man nicht schlafen kann.

Forscher gehen davon aus, dass es eine längst vergangene, aber sehr einschneidende Belastung dazu führt, dass auch nach Beendigung dieser Situation immer wieder Schlafstörungen auftreten. In diesem Fall hat sich also die einstige begründete Störung verselbstständigt und bringt auch später noch den Schlaf-Wach-Rhythmus durcheinander, einfach weil man es erlernt hat.

Ähnlich wie beim Schmerzgedächtnis, werden negative Erfahrungen in diesem Zusammenhang abgespeichert und die Betroffenen gehen bereits im Vorfeld davon aus, schlecht zu schlafen oder nicht richtig durchschlafen zu können.

Anders ausgedrückt: Wer unter einer psychophysiologischen Insomnie leidet, hat es verlernt, erholsam und gut zu schlafen.

Grundsätzlich lässt sich als Ursache für die psychophysiologische Insomnie eine andauernde große Anspannung feststellen. Diese kann sowohl körperlicher als auch geistiger Natur sein und hält in vielen Fällen über einen längeren Zeitraum an. Wer deswegen nur schwer ein- und durchschlafen kann, verfällt schnell in ein Fehlverhalten.

Häufig wird der Zeitpunkt fürs Zubettgehen dann nach hinten geschoben, weil man je ohnehin nicht gleich einschlafen kann oder nach dem nächtlichen Aufwachen wird sich nicht ums schnelle Einschlafen bemüht, sondern der Fernseher beispielsweise eingeschaltet oder ähnliches. Dieses Fehlverhalten verfestigt sich allerdings schnell und die Folge davon ist ein wahrer Teufelskreis. Schließlich erlernt man so seine chronische Schlafstörung, bei der in jeder Minute des Nichtschlafens Stresshormone ausgeschüttet werden, die die innere Unruhe noch verstärken.

 

Woran erkennt man eine solche spezielle Schlafstörung?

 

Viele der Betroffenen haben schon eine gewisse Abneigung gegenüber dem abendlichen Zubettgehen, denn oftmals sind es nie enden wollende Gedanken und die Unfähigkeit, abschalten zu können, die von vornherein die Freude auf den Schlaf schmälern. Meist sind es negative Gedankengänge, Angst vor der Schlaflosigkeit und eine ungeheure Anspannung, welche schon in der Einschlafphase hinderlich ist.

Zudem äußern sich bei der psychophysiologischen Insomnie folgende Symptome:

  • erschwertes Ein- und Durchschlafen
  • fehlender Erholungseffekt nach dem Aufstehen
  • verminderte Konzentrations- und Leistungsfähigkeit
  • Tagesmüdigkeit
  • erhöhte Reizbarkeit
  • mitunter depressive Stimmungen
  • wachsende Ängstlichkeit im Hinblick auf die Schlafphase

Zu diesen typischen Merkmalen gesellen sich oftmals auch unerklärliches Herzklopfen, Hitzeattacken und Schweißausbrüche, Zittern und innere Anspannung hinzu, die sich oftmals auch nach dem nächtlichen Aufwachen zeigen und das erneute Einschlafen verhindern.

Darüber hinaus ist es nicht untypisch, dass Betroffene oftmals nur in einen leichten Dämmerschlaf fallen. Die erholsame Tiefschlafphase fehlt dann manchmal ganz.

 

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Wie wird die psychophysiologische Insomnie behandelt?

 

Wurde diese Art der Schlafstörung diagnostiziert, setzen gut ausgebildete Schlafmediziner meist auf eine Therapie, die zum einen aus einer medikamentösen Behandlung und einer nicht-medikamentösen Therapieform besteht. So werden beispielsweise oft Schlafmittel, Beruhigungsmittel oder auch leichte Antidepressiva verordnet und zugleich die Schlafhygiene der Patienten optimiert.

In puncto Schlafhygiene geht es dann also vor allem darum, wieder feste Zubettgehzeiten in den Alltag zu integrieren. Häufig geschieht es auch zusammen mit dem Führen eines Schlaftagebuchs oder auch einer Verhaltenstherapie, die vor allem darauf abzielt, das Durchschlafen wieder zu erlernen. Doch auch Lichttherapien und Schlafrestriktion werden in die individuellen Therapieanwendungen eingebaut, um die ständigen Anspannungen zu lösen.

Da sehr viele Patienten, die an einer psychophysiologischen Insomnie leiden, einfach zu viel nachdenken und grübeln, sobald sie im Bett sind, werden bei der Behandlung unter Umständen auch psychologische Aspekte einbezogen. Deutet beispielsweise alles darauf hin, dass eine Depression für die Schlafstörung verantwortlich ist, sollte diese auch in psychotherapeutischen Einzel- oder Gruppensitzungen behandelt werden.

Hinweis: Schlafmittel sorgen nur bedingt für einen guten Schlaf. Sie machen abhängig und führen meist dazu, dass die Traumphase nicht erreicht wird und somit eine tatsächliche Erholung nicht stattfindet. Bessere Alternativen dazu sind Hausmittel und natürliche Einschlafhilfen jeder Art.

 

Was kann man selbst dagegen tun?

Schlafen kann durchaus wieder neu lernen und das eigene Fehlverhalten wieder abstellen. Das ist nicht immer ganz so einfach, und es ist tatsächlich ratsam, sich fachkundige Hilfe zu holen. Doch jeder Mensch, der an einer psychophysiologischen Insomnie leidet kann vorbeugend etwas dagegen unternehmen:

  • achten Sie auf feste Zubettgehzeiten
  • ermitteln Sie Ihren tatsächlichen Schlafbedarf
  • erkennen Sie Ihren eigenen Biorhythmus, der eng mit dem Schlaf-Wach-Rhythmus zusammenhängt
  • nutzen Sie das Bett tatsächlich nur zum Schlafen, nicht aber zum Essen, Lernen oder Fernsehschauen
  • erlernen Sie effektive Entspannungstechniken, wie zum Beispiel Mediation, Autogenes Training, Yoga, um die Gedanken vor dem Schlafen abzuschalten und zu beruhigen
  • gewöhnen Sie sich abendliche Rituale an, bei denen Ihr Körper und Geist darauf eingestimmt wird, dass es bald Zeit ist, zu schlafen

Wer zudem auf eine gesunde Lebensführung mit leichter Kost am Abend, wenig oder gar keinen Alkohol-, Nikotin- oder Koffeinkonsum vor dem Schlafen, ausreichend Bewegung an der frischen Luft tagsüber und einer guten Balance zwischen körperlichen und geistigen Wohlbefinden achtet, sollte die durch Fehlverhalten geprägte Insomnie schnell ablegen können.

 

Fazit

 

Bei einer psychophysiologischen Insomnie handelt es sich um eine Schlafstörung, die man sich weitestgehend selbst beigebracht hat oder welche man durch das eigene Fehlverhalten forciert hat. Häufig sind es Dauerbelastungen und lange Zeiten innerer Anspannung, die es einfach unmöglich machen, abends im Bett tatsächlich abschalten zu können. Nicht selten liegen die Betroffenen grübelnd im Bett und können nicht einschlafen oder fallen nur in einen sehr leichten Schlaf, aus dem sie jederzeit wieder hochschrecken.

Ganz wichtig sind hierbei die eigene Schlafhygiene und das erneute Erlernen des Schlafens. Mit ein wenig Unterstützung durch Schlafmediziner und Psychotherapeuten gelingt das allerdings recht gut. Entspannungstechniken können die ärztliche Behandlung zudem wunderbar ergänzen und sorgen dafür, dass Stress schneller abgebaut werden kann.

 

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