Ist Lernen Lernen im Schlaf – Ist das möglich?

 

Gerade Schulkinder müssen gezielt und viel lernen. Doch auch die Erwachsenen lernen jeden Tag etwas dazu, auch wenn das oftmals nicht mehr so bewusst wahrgenommen wird. Doch kann man wirklich im Schlaf lernen? Diese Frage stellt sich vielen und so manch einer mag nun davon träumen, sich einfach in der Schule zum Schlafen hinzulegen und der gesamte Lernstoff ist verinnerlicht. Ganz so einfach ist es dann doch wieder nicht und wir erklären auch, warum.

 

Was hat der Schlaf mit der Gedächtnisleistung zu tun?

 

Von Natur aus nimmt unser Gehirn über die jeweiligen Wahrnehmungsorgane eine komplexe Welt von Reizen auf. Praktisch jede Millisekunde dringen also Informationen bis zu unserem Hirn vor. Über die meisten davon macht man sich natürlich kaum Gedanken, denn das geschieht ohnehin automatisch und auf natürlichem Wege.

Etwas anders sieht es mit jenen Dingen aus, die wir bewusst lernen. Diese Informationen gelangen ebenso in unser Gehirn, doch um uns später daran erinnern zu können beziehungsweise um das Gelernte abrufen zu können, braucht es ein klein wenig mehr, als nur einen Wimpernschlag.

Vielmehr braucht es einen gesunden Schlaf, bei dem der Hippocampus aktiv werden kann.

Denn nur wer ausreichend und gut schläft, kann das Erlernte auch tatsächlich so abspeichern, dass er es beispielsweise bei der nächsten Mathearbeit oder Prüfung wieder abrufen kann.

Das liegt vor allem daran, dass das menschliche Gehirn bei all den unzähligen Eindrücken und Wahrnehmungen, die den ganzen Tag auf uns einstürmen, nicht in der Lage ist, sofort alles abzuspeichern.

Vergleicht man das mit einem Computer, so werden alle Reize tagsüber erst einmal in die Zwischenablage kopiert. Beim Gehirn heißt dieser Bereich Hippocampus.

Erst im Schlaf wird das Erlebte verarbeitet und das Gelernte verfestigt.

Die menschliche Gedächtnisleistung ist sehr eng an die Tiefschlafphase gekoppelt. Zahlreiche Studien belegen, dass es erst in dieser Schlafphase dazu kommt, dass das Gehirn sich praktisch selbst von all den aufgenommenen Reizen befreit.

Dabei geht es recht praktisch vor:

  1. Sortiert es alle Informationen danach, ob sie wichtig sind oder nicht.
  2. Unwichtiges wird sozusagen entsorgt.
  3. Wichtiges hingegen, beispielsweise weil es mehrmals im wachen Zustand wiederholt wurde, speichert es ab.

Eine entscheidende Rolle kommt dabei dem Hippocampus zu. Diese Region im Großhirn ist jedoch in der Regel auf faktenbezogene Informationen gepolt.

Da er nur über eine begrenzte Speicherkapazität verfügt, muss er jede Nacht aufs Neue entleert werden. Dafür allerdings braucht es im Umkehrschluss den gesunden Schlaf, insbesondere den Tiefschlaf.

 

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Wie funktioniert das Lernen im Schlaf?

 

Es natürlich ein Mythos, wenn man davon spricht, das Lehrbuch oder Vokabelheft zum Beispiel unter das Kopfkissen zu schieben und am nächsten Tag ist das komplette Wissen im Kopf und jederzeit abrufbar.

Doch es gibt zahlreiche Studien, in denen nachgewiesen wurde, dass das direkte Lernen vor dem Schlaf am effektivsten ist. Immer vorausgesetzt natürlich, dass der anschließende Schlaf tatsächlich ausreichend, erholsam und von guter Qualität ist.

Tipps, um Gelerntes im Schlaf besser zu verinnerlichen:

  • direkt vor dem Schlafen den Lernstoff noch einmal aufmerksam durchlesen (laut lesen kann das Lernen zusätzlich unterstützen)
  • Vokabeln und andere Fakten werden noch einmal stärker für die nächtliche Speicherung vorbereitet, wenn man sie zusätzlich noch einmal aufschreibt, denn auch das suggeriert dem Gehirn, dass es sich um wichtige Fakten handelt
  • Lernstoff aufnehmen und während der Einschlafphase abspielen, allerdings nicht zu laut, damit die darauffolgende Leichtschlafphase nicht gestört wird

In einer wissenschaftlichen Studie aus Japan wurde zudem nachgewiesen, dass neu Gelerntes besser im Gedächtnis haften bleibt, wenn direkt nach der Lernphase keine größeren Ablenkungen mehr in Form von PC-Spielen, Social-Media-Aktivitäten oder Fernsehen stattfinden.

Diese neuen Reize können die faktenbezogenen Informationen schnell überlagern.

Außerdem kann der Hippocampus, der als Zwischenspeicher fungiert, nicht unbegrenzt Reize und Informationen aufnehmen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass eine ständige Reizüberflutung das Lernen enorm erschwert.

 

Welche Voraussetzungen braucht es, um im Schlaf zu lernen?

 

Natürlich ist die wichtigste Voraussetzung, dass man sich mit dem entsprechenden Lernstoff auch tatsächlich und bewusst auseinandersetzt. Allein mit der unbewussten Aufnahme an Fakten ist es in der Regel nicht getan. Das kann nur unterstützend eingesetzt werden.

Des Weiteren braucht es natürlich für das Lernen im Schlaf, eine optimale Schlafqualität der Nachtruhe.

Das bedeutet für jeden von uns, dass:

  • man möglichst immer zur gleichen Zeit ins Bett geht und aufsteht
  • man weder zu spät sehr viel isst, noch dass man hungrig ins Bett geht
  • man eine auf die eigenen Bedürfnisse angepasste Bettausstattung inklusive der passenden Matratze sein eigen nennt
  • man den eigenen Biorhythmus beachtet und nur ins Bett geht, wenn man tatsächlich müde ist
  • man tagsüber ausreichend Bewegung an der frischen Luft hat
  • man in einem besonders ruhigen und gut abgedunkelten Zimmer schläft
  • man die für das eigene Schlafverhalten am besten geeignete Bettzeug nutzt
  • man nicht in einem zu warmen Raum schläft
  • das Raumklima bzw. Schlafklima ideal und ausgeglichen ist
  • das Schlafzimmer nicht mit Möbeln zugestellt ist, sodass ein Gefühl der Enge entstehen könnte
  • der Fernseher und andere technische Geräte ausgeschaltet sind

Ob man wirklich gut geschlafen hat, merkt man im Übrigen daran, dass man auch ohne Wecker gut aufstehen kann und sich fit fühlt. Darüber hinaus spürt man keine Tagesmüdigkeit oder eine sich schnell erschöpfende Konzentrations- und Leistungsgrenze.

 

Fazit

 

Das Lernen im Schlaf ist durchaus möglich. Während es die Babys und Kleinkinder von Natur aus und völlig unbewusst machen, können sich alle Schüler und Erwachsenen die nächtlichen Gehirnaktivitäten zunutze machen. Denn was man tagsüber, insbesondere direkt vor dem Schlafen gelernt hat, wird sich im Schlaf schnell und nachhaltig abspeichern. Voraussetzung dafür ist jedoch ein gesunder Schlaf, der erstens die notwendige Länge aufweist und zudem von hoher Qualität ist.

Da alle Reize und auf uns einstürmenden Informationen im Hippocampus wie in einem Zwischenspeicher abgelegt werden, braucht es nachts einen wohltuenden Schlaf, damit die faktenbezogenen Informationen ins Gedächtnis gelangen können, wo sie abgespeichert werden.

 

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