Mit offenen Augen schlafen?!

 

Es klingt zunächst etwas komisch, doch es gibt tatsächlich Menschen, bei denen die Augen im Schlaf nicht vollständig geschlossen sind. Während es jedoch im Tierreich oftmals ein wichtiges Überlebenskriterium ist, kann der Lagophthalmus auf gesundheitliche Beeinträchtigungen hinweisen, weswegen es nicht einfach auf die leichte Schulter genommen werden sollte, wenn man offenen Augen schläft.

Woran merkt man, dass man mit offenen Augen schläft?

Zunächst einmal bedeutet der Ausdruck „mit offenen Augen schlafen“ nicht in jedem Fall, dass die Augen weit geöffnet sind oder der Schlafende seine Umgebung bewusst wahrnehmen kann. Manchmal öffnet sich auch nur ein Auge und in der Regel sind beim Lagophthalmus die Sehorgane immer nur einen Spalt breit geöffnet.

Während im Wachzustand das Blinzeln dafür sorgt, dass die Augen jederzeit gut befeuchtet sind, werden beim Schlafen die Sehorgane durch das Schließen der Augenlider mit einer feinen Schicht an Tränenflüssigkeit überdeckt, sodass es hier nicht zu einer Austrocknung kommt.

Dieses Feuchthalten ist für die Augäpfel sehr wichtig, denn zum einen wird auf diese Weise Schmutz und Staub abgewehrt beziehungsweise gleich wieder abtransportiert. Auf der anderen Seite dient die Tränenflüssigkeit dazu, dass das Auge geschmiert wird. Wird es nämlich zu trocken, kommt es unter Umständen zu einer Beschädigung, zum Zerkratzen und zur Infektion der Augäpfel.

Da man sich selbst im Schlaf nicht beobachten kann, es sei denn man stellt eine Videokamera auf, ist es unter Umständen schwer festzustellen, ob man nun mit offenen oder geschlossenen Augen schläft. Es gibt jedoch einige Symptome, an denen jeder merkt, wie es sich im individuellen Fall verhält.

Denn wer mit halb geöffneten Augen schläft, wird:

  • morgens übermäßig gerötete Augen haben
  • nach dem Wachwerden nur verschwimmen sehen können
  • lichtempfindlich reagieren
  • schlecht geschlafen haben und sich überaus müde fühlen

Der nächtliche Lagophthalmus sorgt zudem dafür, dass die äußere Schicht der Augen ausgetrocknet ist und es sich anfühlt, als ob die Augen gereizt und verbrannt werden. Häufig erklären Betroffene, dass bei der kleinsten Augenbewegung das Gefühl entsteht, als ob etwas kratzt. Unter Umständen macht sich zudem eine verstärkte Druckempfindlichkeit bemerkbar.

 

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Wo liegen die Ursachen?

 

Üblicherweise kommt es verstärkt dann zum Schlafen mit offenen Augen, wenn die Gesichtsnerven und Gesichtsmuskeln Probleme verursachen. Liegt also eine Lähmung oder eine Schwächung in diesem Bereich vor, können sich die Augenlider nicht mehr vollständig schließen.

Darüber hinaus können auch anatomische Schäden der Augenlider selbst oder der Augäpfel zum Lagophthalmus führen.

Weitere Ursachen können beispielsweise sein:

  • Verletzungen
  • Operationen
  • Schlaganfall
  • Bell-Lähmung
  • Autoimmunerkrankungen
  • Moebius-Syndrom
  • Infektionen, wie Mumps, Polio, Lepra, Windpocken, Lyme-Borreliose, Diphterie oder Botulismus

Darüber hinaus kann das Schlafen mit offenen Augen in manchen Familien verstärkt auftreten, ohne das eine der vorgenannten Ursachen erkennbar ist. Doch auch sehr dicke Wimpern können dazu führen, dass sich die Augenlider nicht komplett schließen können, wenn man schläft. Allerdings ist das eine sehr seltene Ursache.

 

Wie wirkt sich das aus?

 

In der Regel ist das Schlafen mit offenen Augen kein vorübergehendes Phänomen, das man einfach als gegeben hinnehmen sollte. Denn häufig tritt es tatsächlich für einen längeren Zeitraum auf. Warum auch immer jemand mit nur halbgeschlossenen Augen schläft, die Auswirkungen auf die Augengesundheit sowie den gesunden Schlaf können dann doch recht massiv werden und zu gewissen Einschränkungen führen.

Ernsthafte Probleme und Folgeerkrankungen können sein:

  • der Verlust des Sehvermögens
  • häufige Augeninfektionen
  • erhöhtes Risiko, dass die äußere Schicht zerkratzt oder verletzt wird
  • Schädigung der Hornhaut
  • Hornhautgeschwür

Wenn sich im Zuge eines Lagophthalmus die Augenlider nicht vollständig schließen können, kommt es zudem zu einem sehr viel leichteren Schlaf oder gar zu Schlafstörungen.

Denn ohne dieses komplette Schließen der Augen fehlt die Dunkelheit und das Melatonin wird nicht in ausreichender Menge produziert.

Außerdem können bei halbgeöffneten Augen auch beim Schlafen immer noch zu viele äußere Reize auf uns einstürmen, sodass es zu keiner wirklich erholsamen Phase kommt, in welcher sich unser Körper hinlänglich regenerieren kann. Deswegen ist nicht so untypisch, dass Menschen, die mit offenen Augen schlafen oftmals unter Tagesmüdigkeit und Leistungsverlust leiden.

 

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

 

Wer tatsächlich am Lagophthalmus leidet, wird nicht viel selbst tun können. Hier braucht es schon das ausführliche Gespräch mit einem erfahrenen Mediziner, bei dem unter anderem auch die Ursachen abgeklärt werden.

In den meisten Fällen können durch Augensalben und Augentropfen schon wieder für ausreichend Feuchtigkeit im Auge gesorgt werden, sodass sich die Symptome verringern.

Auch eine sogenannte Feuchtigkeits-Brille, die ähnlich wie eine Schlafmaske funktioniert, kann Abhilfe schaffen.

Tipp: Um das Austrocknen der Augen zu verhindern, haben sich auch Luftbefeuchter bewährt, welche im Raum für mehr Feuchtigkeit in der Atemluft sorgen. Das, was also auch gegen trockene Heizungsluft wirkt, ist beim Schlafen mit offenen Augen ebenfalls eine sinnvolle Variante. Selbst wenn es unter Umständen die ärztliche Therapie und Behandlung nur unterstützt.

 

Liegen für den Lagophthalmus physiologische Ursachen oder eine schwerwiegende Lähmung der Gesichtsmuskeln zugrunde, wird von den Experten oftmals eine Operation empfohlen.

Dabei wird in das obere Augenlid ein Implantat eingesetzt, welches wie ein Gewicht funktioniert und das Lid beim Schließen der Augen nach unten zieht. Dieser kleine Eingriff wird direkt über den Wimpern am äußeren Lid vorgenommen und hinterlässt in der Regel keine sichtbaren Narben.

Obwohl das Augenlid durch das Implantat von den Betroffenen als dicker empfunden wird, können andere Menschen meist nichts davon sehen.

 

Fazit

 

Im Grunde ist es in den meisten Fällen zwar eine etwas störende Sache, doch nur selten steckt eine sehr ernste Erkrankung dahinter, wenn man mit offenen Augen schläft. Allerdings sollte man es dann doch nicht auf die leichte Schulter nehmen, wenn man schon nach dem Aufwachen bemerkt, dass die Augen übermäßig gerötet sind, kratzen und brennen oder sich extrem trocken anfühlen beziehungsweise lichtempfindlich sind.

Es ist immer ratsam, diese Symptome von einem Arzt abklären zu lassen und dann auf die Behandlung mit Augentropfen und Augensalben zurückzugreifen.

Sehr hilfreich ist es zudem, einen Luftbefeuchter im Schlafzimmer aufzustellen, denn damit ist auf einfache Weise sichergestellt, dass die Augen nicht allzu sehr austrocknen, wenn man mit offenen Augen schläft.

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