Macht künstliches Licht müde?

 

Während unsere Vorfahren gänzlich ohne künstliches Licht auskamen, nutzen wir heutzutage nahezu ganztägig diese Lichtquelle, da wir uns überwiegend in geschlossenen Räumen aufhalten. Vielen ist das gar nicht so direkt bewusst, denn es gehört zu unser aller Leben dazu. Doch wie wirkt sich künstliches Licht in dieser doch recht geballten Form auf unseren Organismus aus? Macht künstliches Licht müde? Diesen und anderen Fragen in diesem Zusammenhang sind wir einmal genauer nachgegangen.

 

Welche Wirkung hat Licht auf unseren Organismus?

 

Der menschliche Organismus braucht das Licht. Es ist sogar lebensnotwendig, wobei die Möglichkeit, bei Licht besser sehen zu können, nur ein wichtiger Punkt ist. Denn Licht bewirkt sehr viel mehr.

So nimmt es Einfluss auf:

  • die Zellen
  • die Hormone und deren Bildung
  • den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus
  • die innere Uhr beziehungsweise den Biorhythmus
  • das Leistungsvermögen
  • das Wohlbefinden

Allerdings gibt es hier zwischen dem natürlichen und dem künstlichen Licht Unterschiede, denn letzteres kann nur bedingt das Tageslicht ersetzen.

So sorgt das Tageslicht für einen gesunden Vitamin-D-Haushalt und hilft uns dabei, dass wir über die Nahrung genügend Kalzium aufnehmen und verarbeiten können.

Künstliches Licht hingegen hilft uns zwar, besser sehen zu können, doch es kann in gesundheitlicher Hinsicht nicht wirklich viel von dem bereitstellen, wie es das natürliche Licht kann.

Zumal zu wenig Tageslicht und zu viel Kunstlicht mitunter Depressionen, Schlafstörungen und einen gestörten Tag-Nacht-Rhythmus hervorrufen kann.

Hinweis: Wird natürliches und künstliches Licht in einem ausgewogenen Verhältnis genutzt, hat das keine nachweisbaren gesundheitlichen Folgen.
 

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Was sagt die Wissenschaft dazu?

 

In einer wissenschaftlichen Studie die Reaktion der Pupillen auf künstliches Licht getestet. Dafür wurde zunächst eine Lichtquelle genutzt, die das natürliche Licht perfekt nachahmt. Dann wurde mit einer herkömmlichen Innenraum-Beleuchtung getestet.

Dabei stellten die Forscher fest, dass unser menschliches Auge, insbesondere unsere Pupille auf natürliches Licht sehr viel stärker reagiert.

Die Testpersonen gaben darüber hinaus an, dass sie sich bei der Nachempfindung des natürlichen Lichts weitaus weniger müde fühlten als bei der künstlichen Lichtquelle.

Laut der Wissenschaft liegt das an dem dritten Lichtrezeptor, den man in der Netzhaut des menschlichen Auges findet und der nichts mit dem Sehvermögen zu tun hat. Denn dieser Rezeptor auf der Netzhaut enthält das Pigment Melanopsin, das sehr stark und sensibel auf die blauen Lichtanteile reagiert.

 

Wird man durch künstliches Licht tatsächlich schneller müde?

 

Ob man nun eher müde oder wach wird, wenn eine entsprechende Lichteinwirkung auf künstlichem Wege stattfindet, hängt schlussendlich aber von der Intensität und der Lichtfarbe ab, wie Wissenschaftler an der Berliner Charité herausfanden.

So hat man nachgewiesen, dass künstliches Licht mit einem hohen Blauanteil eher wach als müde macht. Denn dadurch wird die Produktion von Melatonin stark gehemmt, weswegen man zum Beispiel abends im Bett eben keinen Fernseher laufen lassen sollte.

Am Arbeitsplatz oder in der Schule wirkt demnach das als eher kalt empfundene Licht mit hohem Blauanteil positiv auf das Konzentrations- und Leistungsvermögen, während andere warme Lichteinflüsse eher beruhigend und einschläfernd wirken.

Hinweis: Künstliches Licht macht nur dann schneller müde, wenn es keinen nennenswerten Blauanteil enthält.

 

Was kann man gegen die Tagesmüdigkeit tun?

 

Nichtsdestotrotz gelangt jeder von uns tagsüber an den Punkt, wo die eigene Leistungskurve abfällt. Man fühlt sich meist um die Mittagszeit herum müder und abgespannter, als am Morgen. Das hat zunächst nicht viel mit der Schlafqualität und der Dauer des Nachtschlafes zu tun, sondern in erster Linie mit dem eigenen Biorhythmus.

An dieser Stelle muss man sich bewusst machen, dass der Mensch eben keine Maschine ist, sondern der Taktung der inneren Uhr unterliegt. Deswegen sind Erholungsphasen zwischen den Phasen der Anspannung unabdingbar.

In puncto Beleuchtung kann man hinzufügen, dass es gut ist, ab und an gedimmtes Licht am Arbeitsplatz zu nutzen, um ein wenig ruhiger zu werden. Schaltet man beispielsweise nach der kurzen Erholungspause wieder das helle Licht ein, wird eine erneute Leistungssteigerung spürbar.

Doch es gibt noch mehr, was man gegen die einsetzende Tagesmüdigkeit tun kann:

  • die Pausen, wenn möglich an der frischen Luft und unter Tageslichteinwirkung verbringen
  • sofern es machbar ist, die eher angespannte Arbeits- und Lernhaltung durch Bewegungsabläufe unterbrechen à kurze Spaziergänge oder Lockerungsübungen an der frischen Luft können hier besonders gut wirken

Selbst der kurze Aufenthalt im Freien und bei Tageslicht wirkt wie ein kleines Powernapping. Denn im natürlichen Sonnenlicht ist das gesamte Farbspektrum enthalten. Zudem wird die Produktion von Serotonin angekurbelt, was ein zusätzlicher Wachmacher sein kann.

Tipp: Der Aufenthalt im natürlichen Tageslicht gibt zudem einen Schub in Richtung guter Laune. Depressionen werden auf diese Weise weitaus seltener auftreten, als bei einem ständigen Aufenthalt unter künstlichem Licht.

Ist es aufgrund der Witterung beispielsweise nicht möglich, die Pausen im Freien zu verbringen, kann künstliches Licht gegen die Tagesmüdigkeit helfen, wenn es die Tageslichtverhältnisse gut nachempfindet. Experten raten also zu einer Innenraumbeleuchtung, die eine Farbtemperatur von kalt-weiß, neutral-weiß oder warm-weiß aufweist.

Hinweis: Im Gegenzug sollte die Innenraumbeleuchtung am Abend erstens gedimmt werden und zweitens einen eher hohen Rotlichtanteil enthalten. Dadurch kann die benötigte Melatoninproduktion besser vonstattengehen, denn diese Lichtverhältnisse entsprechen der natürlichen Dämmerung.

 

Fazit

 

Zusammenfassend kann man sagen, dass künstliches Licht nicht unbedingt müde macht. Das Gegenteil ist der Fall, zumindest wenn die Lichtquelle genügend Blauanteile enthält beziehungsweise abstrahlt. Um den eigenen Biorhythmus nicht zu stark zu beeinflussen, sollte daher auf eine gesunde Mischung zwischen Tageslicht und künstlichem Licht geachtet werden.

Denn natürlich ist dauerhafte künstliche Beleuchtung nicht wirklich gesundheitsfördernd, da der Organismus dann abends nicht abschalten kann.

Deswegen sollte das Maß aller Dinge sein: So oft wie möglich das natürliche Tageslicht genießen und am Abend die kalte Innenraumbeleuchtung wenigstens dimmen, damit die Produktion des Schlafhormons nicht beeinträchtig wird. Dabei spielt es natürlich auch eine entscheidende Rolle, ob man bis kurz vor dem Zubettgehen noch am PC gesessen hat oder bei laufendem Fernseher versucht einzuschlafen. Hier liegen die Blauanteile der Lichteinwirkung sehr hoch, sodass es schnell zu Schlafstörungen kommen kann.

 

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