Schlaf vor Mitternacht: Ist er wirklich am besten?

 

Immer wieder hört man landauf und landab davon, dass man möglichst vor Mitternacht schlafen sollte, um wirklich gut zu schlafen und erholt am nächsten Tag aufzustehen. Doch ganz offensichtlich trifft das nicht auf alle zu. Wir erklären, ob und für wen der Schlaf vor Mitternacht wirklich der Beste ist und woran es liegen kann, dass man vielleicht trotzdem nicht so gut ausgeschlafen ist, wenn man lange vor Mitternacht schlafen geht.

 

Volksweisheit, Irrglaube oder Tatsache?

 

Jeder Mensch sollte in der Lage sein, gut schlafen zu können. Denn ein gesunder Schlaf ist nicht nur erholsam, sondern für unseren gesamten Organismus existenziell. Schlafentzug wurde früher einmal als Foltermethode genutzt, und das ist es im Grunde für jeden, der unter Schlafproblemen leidet und nicht ausreichend Schlaf bekommt. Das liegt ganz einfach daran, dass zu wenig Schlaf die Reizbarkeit, die Tagesmüdigkeit und das Risiko, an schweren Folgeerkrankungen zu leiden, massiv erhöht. Hinzu kommt eine Störung des menschlichen Regenerationsprozesses, der bekanntermaßen im Schlaf stattfindet und nicht während der Wachzeit.

Doch was ist dran an der alten Volksweisheit, wer vor Mitternacht schläft, schläft besser? Generell ist daran nichts und doch kann es stimmen. Das liegt schlussendlich daran, dass jeder Mensch einen anderen Schlaf-Wach-Rhythmus hat, einer anderen inneren Uhr folgt und ein völlig anderes Schlafbedürfnis hat, was die Schlafdauer angeht.

 

Was macht den guten Schlaf wirklich aus?

 

Ob es nun am Vormitternachtsschlaf liegt oder nicht – ein guter Schlaf ist immer gekennzeichnet durch:

  • ein schnelles Einschlafen, innerhalb von 30 Minuten nach dem Zubettgehen ist ideal
  • kurze bis gar keine Wachphasen während der Nacht, wobei hier nur jene Aufweckphasen gemeint sind, die das Gehirn tatsächlich auch abspeichert
  • schneller Wiedereinschlafen, wenn man nachts wach wird, hier sind maximal 20 Minuten optimal
  • gut 85 Prozent der Zeit, die man im Bett verbringt, schläft man auch tatsächlich, wobei es hier generell auf das ganz individuelle Schlafbedürfnis ankommt

Zudem macht sich ein guter Schlaf am nächsten Tag bemerkbar, denn wer gut geschlafen hat, fühlt sich frisch und ausgeruht, kann sich lange und gut konzentrieren bei der Arbeit oder in der Schule. Ebenso wird sich das in der Leistungsfähigkeit bemerkbar machen. Wer nämlich nicht so gut schläft, gelangt hier schnell an seine persönlichen Grenzen.

Außerdem ist ein guter Schlaf immer abhängig davon, wie viel Melatonin produziert werden kann. Das gelingt nur, wenn dunkel genug ist und hängt demnach von den Lichtverhältnissen ab. Denn selbst, wenn wir die Augen geschlossen haben, können Lichtreize vordringen.

Ist es dann nicht dunkel genug, kommt die Melatoninproduktion unter Umständen nur schwer in Gang. Der Taktgeber ist dabei nicht nur unsere innere Uhr, sondern auch die Nervenzellen, die sich hinter den Augen befinden. Diese senden an die Zirbeldrüse im Gehirn Impulse aus, sobald die Lichtverhältnisse sich ändern. Deswegen werden wir auch früher müde, wenn in der Winterzeit die Abende und somit die Dunkelheit früher beginnen.

Allerdings spielt in unserer zivilisierten Welt immer noch das künstliche Licht eine Rolle. Denn heutzutage schalten wir einfach das Licht an, wenn es draußen dunkel wird und schon umgeht man diesen Effekt.

 

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Woher man weiß, ob man vom Schlaf vor Mitternacht profitieren kann?

 

Ob man vom Schlaf vor Mitternacht profitieren kann, hängt jedoch schlussendlich davon ab, welcher Schlaftyp man ist. Denn während Nachteulen oftmals erst weit nach Mitternacht zu Bett gehen und Frühaufsteher, die sogenannten Lerchen, weitaus früher, kann es bei beiden Schlaftypen zu einem guten und erholsamen Schlaf kommen.

Der Grund hierfür liegt weniger an der Zeit, sondern an der Tatsache, dass es darauf ankommt, dass man schnell einschläft und dann mindestens vier Stunden gut und tief schlafen kann. Was also bei einem Frühaufsteher lange vor Mitternacht passiert, gelingt der Nachteule möglicherweise erst kurz nach Mitternacht, weil dieser Schlaftyp eben sehr viel später ins Bett geht.

Zu welchen Schlaftypen man selbst gehört, lässt sich recht schnell und einfach herausfinden. Ausschlaggebend ist hier die individuelle Kurve des Bio-Rhythmus. Wer morgens nur schwer aus dem Bett kommt und diverse Anlaufschwierigkeiten hat, weil er vielleicht bereits 8 Uhr im Büro tätig sein muss, wird wahrscheinlich eher eine Nachteule und damit ein Langschläfer sein. Jene Menschen aber, die von allein wach werden und bereits um 5 Uhr auf Hochleistung sind, zählen zu den Lerchen.

 

Was sagen Ärzte dazu?

 

Schlafforscher und Schlafmediziner sind sich darin einig, dass es für die meisten Menschen besonders ideal ist, wenn sie zwischen 22 Uhr und 24 Uhr zu Bett gehen und gleich einschlafen. Allerdings ist es bereits erwiesen, dass das nicht für jeden gilt und gleichermaßen der Garant für einen gesunden und erholsamen Schlaf ist. Deswegen sehen Ärzte durchaus einen Zusammenhang zwischen guten Schlaf und dem Schlaf vor Mitternacht. Zudem sprechen Schlafforscher immer vom biologischen Mitternachtsschlaf. Der hängt wieder mit den Schlaftypen zusammen und kann bei einem Frühaufsteher durchaus schon vor 24 Uhr liegen und bei Spätaufstehern erst gegen 2 Uhr morgens eintreten.

Bei der medizinischen Schlafforschung hat man außerdem herausgefunden, dass die ersten zwei Stunden in der REM-Phase bei einem gesunden Menschen nicht nur am tiefsten sind, sondern auch am erholsamsten wirken.

 

Fazit

 

Der Schlaf vor Mitternacht kann am besten sein, doch ist hier eher die biologische Mitternachtsstunde gemeint. Ob diese Schlafenszeit wirklich erholsam ist, hängt vom Schlaftyp und von der Zubettgehzeit ab, die immer auf die innere Uhr abgestimmt sein sollte. Das geht natürlich nicht in jedem Fall, denn auch ein Bäcker kann zu den Nachteulen gehören. Wobei er dann wahrscheinlich eher den falschen Beruf gewählt hat und ständig entgegen seiner inneren Uhr agiert. Das dürfte unter Umständen auf Dauer ungesund sein.

Ausschlaggebend für einen guten Schlaf ist aber nicht die künstliche Zeit, sondern wann die ersten vier Stunden gut durchgeschlafen werden. Die erste REM-Phase ist hierbei entscheidend, denn in dieser Phase des Schlafzyklus kommt es zu einem sehr tiefen und damit sehr erholsamen Schlaf.

Zusammenfassend kann man also sagen: Ob man nun vor oder nach Mitternacht einschläft, ist irrelevant für den guten Schlaf.

 

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