Was steckt eigentlich hinter… Gähnen?

 

Sicher kennen Sie das auch: Oftmals unvermittelt holt man tief Luft und schon ist es da, dieses Gähnen, das auf andere so ansteckend wirkt, das in der Öffentlichkeit als unhöflich angesehen wird und das man irgendwie niemals steuern kann. Doch was steckt tatsächlich dahinter? Obwohl wir alle es so oft tun und es für jeden normal ist, wissen die meisten noch sehr wenig über den Vorgang des Gähnens.

 

Wie lässt sich Gähnen definieren?

 

Das alltägliche Gähnen ist ein reflexartiges Verhalten, das sich nicht wirklich steuern lässt. Einzig die damit einhergehenden Laute lassen sich unterdrücken.

Die Wissenschaft dahinter nennt sich Chasmologie. Noch sind nicht alle Aspekte vollumfänglich untersucht, doch wenn es um die Ursachen geht, sind sich die Wissenschaftler schon einig.

Gähnen ist begründet in:

  • der Müdigkeit
  • der Langeweile
  • Stresssituationen
  • Situationen höchster Konzentration

Doch nicht selten gähnen wir auch dann, wenn wir gar nicht wirklich müde sind. Aber für was sorgt dieser Reflex? Immerhin wissen wir alle, dass Mutter Natur den menschlichen Körper sehr wohl durchdacht hat und kein Vorgang nutzlos ist oder ohne Wirkung bleibt.

Häufiges Gähnen kann aber auch einen Hinweis auf bestimmte Erkrankungen liefern.

So ist es durchaus auch ein Symptom bei:

  • Multipler Sklerose
  • Strahlentherapie
  • Migräne
  • SUNCT-Syndrom
  • Drogenentzug

Ebenso können bestimmte Medikamente, wie zum Beispiel Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, Benzodiazepine oder auch Dopamin-Agonisten den Reflex des Gähnens deutlich öfter auslösen.

 

Wofür ist dieser Vorgang gut?

 

Mittlerweile haben Wissenschaftler in zahlreichen Versuchen das eine oder andere über das Gähnen herausgefunden. Dabei ist anzumerken, dass nahezu alle Wirbeltiere diesen Reflex besitzen.

Das Gähnen kann mit dem Dehnen und Strecken von Muskelgruppen gleichgesetzt werden. Denn auch beim Gähnreflex wird die Blutzirkulation erhöht und der gesamte Organismus mit mehr Energie versorgt.

Deswegen gähnen wir eben nicht nur, wenn wir müde sind, sondern auch, wenn wir konzentriert arbeiten und lernen beziehungsweise uns in einer Stresssituation befinden.

Wer beispielsweise ein sehr anstrengendes und anregendes Gespräch führt, wird nach einem bestimmten Zeitraum nicht unbedingt gähnen, weil er müde ist und ins Bett muss. Vielmehr wird er gähnen, weil die Energiereserven aufgebraucht sind und das Gehirn wieder aktiver werden will.

Zudem wurde herausgefunden, dass durch das Gähnen das Gehirn gekühlt wird. Ist uns also besonders warm, steigt natürlich auch die Gehirntemperatur, was wiederum das Gähnen auslöst.

Allerdings wurde in diesem Zusammenhang auch herausgefunden, dass wir deutlich öfter gähnen, wenn die Luft zum Atmen nicht zu kalt oder zu warm ist. Kühle und frische Atemluft hingegen scheint optimal zur Kühlung des Gehirns zu sein.

Forscher fanden beispielsweise heraus, dass wir Menschen bei etwa 20 Grad weitaus öfter gähnen müssen als bei 30 Grad oder Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt.

Darüber hinaus haben mehrere Tests schon bewiesen, dass bei komplexen Gehirnen wie dem unseren die Gähndauer deutlich länger ist. Mäuse zum Beispiel gähnen gerade einmal 1,5 Sekunden, während wir Menschen durchschnittlich sechs Sekunden lang gähnen.

Hinweis: Durch das Gähnen lösen wir vor allem im Gehirn eine Dehnung aus, die den wundervollen Nebeneffekt hat, dass wir ein bisschen mehr Sauerstoff in unser Oberstübchen lassen. Unser Denkapparat wird also auf diese Weise dazu angeregt, wieder aufmerksamer und leistungsfähiger zu sein.

 

Wirkt Gähnen tatsächlich ansteckend?

 

Es ist schon ein faszinierendes Phänomen, denn sobald man vom Gähnen liest oder es sogar bei seinem Gegenüber sieht, wirkt es ansteckend auf uns. Hier fanden die Wissenschaftler heraus, dass daran vor allem die Faktoren der Nachahmung und der Empathie beteiligt sind, die nicht zuletzt auf die Verbindung mit den Spiegelneuronen hinweisen.

Menschen mit weniger Empathie lassen sich also nicht so schnell vom Gähnen anstecken. Darüber hinaus fanden die Forscher auch heraus, dass man sich meist von Familienmitgliedern, Freunden und Bekannten anstecken lässt. Bei Fremden funktioniert das nicht immer.

 

Zusatzfakten rund ums Gähnen

 

  1. Frauen gähnen häufiger als Männer: An der italienischen Universität von Pisa fand man in einer Studie heraus, dass Frauen in 55 Prozent der Fälle mitgegähnt haben, während sich nur etwa 40 Prozent der Männer vom Gähnen anstecken ließen. Als Grund wird vermutet, dass das weibliche Geschlecht in der Regel sehr viel Einfühlungsvermögen besitzt.
  2. Die Hand vor den Mund zu halten, ist ein tief verwurzeltes Gebaren: Die meisten Menschen denken, dass es etwas mit Höflichkeit zu tun hat, wenn man sich beim Gähnen die Hand vor den Mund hält. Das möchte auch gar niemand abstreiten. Tatsächlich stammt diese Geste aber aus dem Mittelalter, wo man glaubte, dass beim Gähnen die Seele aus dem Körper entweichen könnte. Zudem war man damals davon überzeugt, dass Geister und Dämonen auf diesem Weg Besitz vom menschlichen Körper nehmen könnten.
  3. Mitgähnen kann man doch beeinflussen: Da beim Gähnen die Gehirntemperatur herunter gepegelt wird, kann man laut einer britischen Studie das ansteckende Gähnen durchaus beeinflussen, indem man sich mit einem kühlen Lappen oder Eispack zum Beispiel die Stirn kühlt. Zusammen mit einer gezielten Nasenatmung kann man also das Gähnen dann doch unterdrücken, wenn man so will.

 

Fazit

 

Gähnen ist ein Reflex, den uns die Mutter Natur mitgegeben hat, um unser Gehirn zu kühlen und wieder aktiver zu werden. Denn nicht immer hat dieser Vorgang etwas mit Müdigkeit zu tun. Bisher wurde das Gähnen nur am Rande erforscht, es liegen also keine abschließenden Forschungsergebnisse vor.

Jedoch ist man sich unter den Wissenschaftlern heute schon darüber einig, dass dieses reflexartige Verhalten im Grunde wie eine biologische Klimaanlage funktioniert.

Ob das Gähnen nun durch Stress, Müdigkeit, Langeweile oder auch Konzentration ausgelöst wird: In der Regel lassen wir uns alle vom Gähnen anstecken. Zumindest dann, wenn wir über ein gewisses Maß an Einfühlungsvermögen verfügen.

In der Regel ist das Gähnen bei uns allen ein ganz natürlicher Vorgang. Nur in selteneren Fällen kann er auch als begleitendes Symptom bei einer Erkrankung auftreten oder durch bestimmte Medikamentengruppen ausgelöst werden.

Für sich allein genommen aber ist das Gähnen keine Krankheit, die behandelt werden müsste.

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