Ist frühes Aufstehen ungesund?

 

Ganz grundsätzlich ist es natürlich nicht das frühe Aufstehen, welches ungesund ist. Pauschal betrachtet jedenfalls nicht. Doch es gibt tatsächlich Menschen, denen es arg zu schaffen macht, wenn sie dauerhaft sehr früh aufstehen müssen. Dabei ist es dann nicht immer nur die Tagesmüdigkeit, sondern wirklich gesundheitliche Folgen, die man zu spüren bekommt. Warum das so ist, haben wir einmal genauer unter die Lupe genommen.

 

Warum ist für manche das frühe Aufstehen ungesünder?

 

Es ist kein altes Ammenmärchen oder ein geflügeltes Wort, dass es bei uns Menschen Nachteulen und Lerchen gibt. Denn es gibt jene unter uns, die zu den Frühaufstehern gehören und jene, die gern die Nacht zum Tag machen.

Das hat jedoch weitaus weniger etwas mit dem Alter oder der Affinität zu besonderem Fleiß oder zur überschwänglichen Feierlaune zu tun. Vielmehr liegt das in jedem selbst begründet. Genauer gesagt liegt das am persönlichen Biorhythmus beziehungsweise wie die innere Uhr tickt.

Während es den sogenannten Lerchen, also den Frühaufstehern überhaupt nichts ausmacht, wenn der Wecker früh klingelt, haben die Eulen unter uns ein großes Problem damit.

Sie tun sich sehr schwer, morgens frisch und munter aus den Federn zu hüpfen und in den Tag zu starten. Neben der unsäglichen Müdigkeit fällt es ihnen zudem schwer, so zeitig am Tag ihre Gedanken auf das Wesentliche zu fokussieren.

Das liegt daran, dass die innere Uhr der Nachteulen eben anders tickt. Die Ursache dafür liegt aber weder in der Erziehung noch an den falschen Verhaltensweisen. Denn der Biorhythmus ist in der eigenen Genetik verankert.

Deswegen wirkt sich das frühe Aufstehen entgegen der inneren Uhr bei manchen Menschen tatsächlich auf die Gesundheit aus.

Wer also zu den Eulen gehört, wird bei dauerhaft frühem Aufstehen damit rechnen müssen, dass er oder sie beispielsweise unter den folgenden gesundheitlichen Schäden zu leiden hat:

  • Übergewicht
  • Tagesmüdigkeit
  • Unkonzentriertheit
  • Leistungsschwäche
  • eingeschränkte Gedächtnisleistung
  • Bluthochdruck
  • Diabetes
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Depressionen

Ähnlich einer chronisch verlaufenden Schlafstörung sind die Folgen also durchaus sehr bedenklich, wenn man praktisch ständig zu früh aufsteht, obwohl der eigene Biorhythmus noch gar nicht soweit ist.

 

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Was versteht man unter einem verzögerten Schlafphasensyndrom?

 

Menschen, die aufgrund gesellschaftlicher Zwänge oder Schichtarbeit faktisch permanent entgegen dem eigenen Biorhythmus leben und somit auch schlafen, leiden oft unter dem verzögerten Schlafphasensyndrom.

So wie es für Frühaufsteher gesundheitsschädigend sein kann, wenn sie ständig viel zu spät ins Bett gehen, kommt es auch bei Nachteulen zu einer Veränderung des natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus.

Eine solche Veränderung führt häufig dazu, dass man zwar pünktlich im Bett ist, weil man ja morgens wieder früh raus muss. Aber das Einschlafen funktioniert nicht, weil sich der gesamte Rhythmus verschoben hat.

Schlussendlich wirkt dieses Syndrom also wie jede andere Ein- und Durchschlafstörung, die man über einen längeren Zeitraum erlebt.

Das führt, ebenso wie chronische Schlafstörungen, zu jenen Gesundheitsrisiken wie Depressionen, Stoffwechselerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes.

Im Zusammenspiel mit der Tagesmüdigkeit kann es für Nachteulen dann tatsächlich eine Herausforderung sein, den Arbeitsalltag wie gewohnt zu meistern.

 

Wie kann man selbst gegensteuern?

 

Zunächst einmal ist es sehr wichtig, den eigenen Schlaftypus zu ermitteln. Gehört man nun zu den Lerchen oder zu den Eulen? Ist man eher die berühmte Nachteule, die jedoch jeden Morgen sehr früh aufstehen muss, kann es etwas schwierig werden. Denn nicht in jedem Beruf sind flexible Arbeitszeiten möglich.

Den eigenen Biorhythmus kann man auch nicht wirklich beeinflussen. Selbst dem Wechsel der Jahreszeiten kann die innere Uhr nicht folgen, denn sie ist davon ziemlich unbeeindruckt.

Doch es gibt ein paar Tricks, wie man auch als Nachteule gut durch den frühen Morgen kommt:

  1. Der Wecker sollte so gestellt werden, dass man zum Ende eines Schlafzyklus geweckt wird. Wir durchleben jede Nacht einen Zyklus mit 5 Schlafphasen. Dieser Zyklus dauert im Schnitt etwa 90 Minuten und wird pro Nacht oder einer Schlafdauer von 8 Stunden etwa 4 bis 7 Mal durchlaufen. Rechnet man also von der Weckzeit ausgehend beispielsweise 4 x 90 Minuten zurück, hat man den perfekten Zeitpunkt, wo man als Nachteule ins Bett gehen sollte.
  2. Zudem sollte der Wecker nicht unbedingt in direkter Nähe zum Bett stehen, denn dadurch kann man der Verlockung widerstehen, einfach auf die Schlummertaste zu drücken.
  3. Wer sich mit Licht wecken lässt, hat gute Karten, schneller wach zu werden und gleich noch gute Laune zu bekommen. Hierfür gibt es zum Beispiel mittlerweile Wecker, die den Sonnenaufgang simulieren. Aber auch andere Gadgets können in diesem Zusammenhang sehr wirkungsvoll sein.

Gerade die Weck-Variante mit dem sanften Licht ist sehr hilfreich, denn auf diese Weise kommt die Hormonproduktion schon vor dem Aufstehen in Schwung und bringt den eigenen Biorhythmus sanft wieder in die richtige Bahn.

Tipp: Wer als Nachteule schnell zum Morgenmuffel mutiert und einfach eine gewisse Anlaufzeit braucht, um fit zu werden, sollte tatsächlich einen früheren Aufwachzeitpunkt wählen. Denn im Gegensatz zu den Lerchen gelingt es den Eulen nicht so schnell, körperlich und vor allem mental im neuen Tag anzukommen. Hier braucht es dann einfach die Ruhe für den morgendlichen Kaffee und die Dusche. Alles andere bringt nur Chaos und Verbitterung.

 

Fazit

 

Das gesundheitliche Risiko, das mit dem ständigen frühen Aufstehen für Nachteulen verbunden ist, sollte niemand auf die leichte Schulter nehmen. Es ist nachgewiesen, dass Menschen, die permanent entgegen ihrer inneren Uhr aufstehen, eine sehr viel geringere Lebenserwartung haben und deutlich öfter depressiv werden oder gar an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung leiden.

Natürlich geht es in unserem heutigen Alltag nicht immer, dass man entsprechend der inneren Uhr arbeitet und schläft. Doch der Schlaf ist trotz aller Widrigkeiten sehr wichtig, um gesund zu bleiben. Eine optimale Schlafhygiene und gesunde Lebensführung kann dafür eine gute Basis sein.

Doch erst die Ermittlung des eigenen Schlafbedürfnisses und die Anpassung der Schlafdauer können hier vorbeugend wirken.

Entscheidend ist zudem, ob man die ersten vier Stunden nach dem Einschlafen ungestört durchschlafen kann. Damit ist nämlich in puncto Schlafqualität schon viel gewonnen. Passt dann noch das Timing fürs Aufwachen, kommen auch Nachteulen gesünder und ausgeschlafener durch den Tag.

 

Foto: © FABIAN HÜSSER #298668241 stock.adobe.com