Corona setzte der Kinderseele zu: Was tun?

 

Die Seelen von Kindern sind besonders empfindsam und feinfühlig. So ist es nicht verwunderlich, dass die vergangenen Wochen auch den Kleinsten ganz schön zugesetzt haben. Denn der fehlende Kontakt zu Gleichaltrigen oder Oma und Opa ist auch an unseren Kindern nicht spurlos vorbei gegangen. Doch auch Faktoren wie ein veränderter Tagesablauf, Bewegungsmangel und dergleichen werden ihre Auswirkungen zeigen. Was kann man also tun, wenn Corona der Kinderseele zugesetzt hat und scheinbar nichts mehr so ist, wie vor der Krise?

 

Warum kann Corona der Kinderseele so viel stärker zusetzen?

 

Der fehlende Kontakt zu Freunden, Oma und Opa und allem Gewohnten ist für Kinder zunächst einmal besonders irritierend. Denn sie können das Ausmaß von Corona und seinen Folgen nun einmal auf geistiger Ebene noch nicht erfassen.

Das können im Übrigen viele Erwachsene auch nur schwer, denn diese so gänzlich neue Situation hat unser aller Leben auf den Kopf gestellt. Schlaflosigkeit wegen Corona ist auch bei Erwachsenen ein großes Thema.

Um Kindern eine Gefahr zu verdeutlichen, brauchen sie zudem optische Reize, um auf der Verstandesebene eine Verbindung zu ihrem eigenen Leben herzustellen.

Sehen sie zum Beispiel Oma und Opa, die via Skype lächelnd in die Kamera winken, werden sie nicht verstehen, dass die Ansteckungsgefahr für die Großeltern hoch ist.

Ebenso wenig werden sie beim Einkauf mit den Eltern sehen können, dass es Corona-Patienten gibt. Ganz klar – diese gehen in der Regel auch nicht einkaufen, sondern müssen im schlimmsten Fall beatmet werden.

Zudem tauchen viele Fragen auf, auf die auch die Eltern derzeit nicht immer eine kindgerechte Antwort wissen. Doch wenn Fragen nicht beantwortet werden können und die eigenen Eltern als Informationsquelle für Kinder nicht ausreichend sein könnte, entsteht Unsicherheit und Angst.

Das kennen wir alle von uns selbst. Deswegen kommt es hier mehr als sonst darauf an, wie sich Mama und Papa verhalten. Ruhe und Selbstsicherheit ausstrahlen ist besonders wichtig, aber gerade jetzt oftmals auch sehr schwer.

 

Woran merkt man, dass dem Kind die Corona-Situation seelisch zusetzt?

 

Es dürfte sich ziemlich klar zeigen, dass nicht nur wir Erwachsenen mit der Corona-Pandemie und ihren Auswirkungen auf unser Leben stark zu kämpfen haben. Denn natürlich ist nicht nur für uns eine absolut neue Situation entstanden, sondern eben auch für die Jüngsten unter uns.

Wenn plötzlich der Besuch von Spielplätzen und Kitas nicht mehr möglich ist, gibt es auch keinen Umgang mehr mit Gleichaltrigen.

Doch während wir aufgrund der uns zugänglichen Informationsquellen die Tragweite recht schnell klar ist, verstehen die Kinder die Welt nicht mehr. Schließlich ist da nichts vor der elterlichen Wohnung, was in irgendeiner Weise bedrohlich aussieht.

Die seelische Belastung von Kindern wird sich jedoch immer etwas anders zeigen, als wir Erwachsenen es von uns selbst vielleicht gewöhnt sind. So werden die jüngsten Familienmitglieder recht unterschiedlich reagieren.

Im Folgenden sind Beispiele aufgeführt, die kindliche Reaktionen auf eine unbegreifliche und unverständliche Bedrohung sein können:

  • ängstliches und angespanntes Verhalten
  • untypisches und nichtkindgerechtes Verhalten
  • Schlafstörungen und Alpträume
  • verstärkter Rückzug aus dem Alltagsgeschehen und aus dem Kreis der Familie
  • tagelange Ausweichhandlungen zur Ablenkung via Spielekonsole oder Internet
  • extreme Suche nach Umarmungen und Zärtlichkeiten
  • Unruhe und Gereiztheit bis hin zu Aggressionen
  • körperliche Beschwerden wie Übelkeit, Bauchweh, Kopfschmerzen

Viele Eltern sprechen im Zusammenhang mit der Corona-Krise auch von auffällig unauffälligen Kindern. In diesem Fall handelt es sich meist um Kinder, die sich selbst auf engstem Raum noch sehr stark zurückziehen.

Hinweis: Nicht alle Kinder werden ihre Sorgen und Ängste von sich aus ansprechen. Mitunter werden sie es auch nicht sofort tun.

 

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Gibt es Unterschiede beim Alter der Kinder?

 

Diese Frage muss man mit einem eindeutigen Ja beantworten. Denn natürlich kann man einem größeren Kind oder einem Jugendlichen die Bedrohung durch das Corona-Virus ganz anders erklären und verständlich machen, als einem Kleinkind.

Wiederum werden zwar die Kleinsten das Wenigste von der Gesamtsituation begreifen können. Aber sie werden die Zeit genießen, wenn plötzlich beide Elternteile zu Hause sind und ihnen viel mehr Aufmerksamkeit schenken können.

 

Worauf kommt es jetzt an, um Kindern ihren Seelenfrieden zurückzugeben?

 

Selbst jetzt, wo die verschiedenen Maßnahmen gelockert wurden, die in der Corona-Pandemie verhängt wurden, wird es in vielen Familien noch lange keine Normalität geben.

Das bedeutet, dass man nun nicht einfach einen Schalter umlegt und ohne weiteres zu alten Verhaltensmustern zurückkehren kann. Ganz besonders im Hinblick auf die Kinderseele wird hier noch einiges nötig sein, um wieder zur Ruhe zu kommen.

So wird es unbedingt nötig sein, dass Eltern:

  • die Ängste und Sorgen der Kinder ernst nehmen
  • die Ängste mit ihnen teilen
  • über die Sorgen mit den Kindern reden sollen
  • dem Wunsch nach Körperkontakt nachkommen und einige Streicheleinheiten und Kuschelstunden mehr mit den Kindern genießen sollten
  • den Familienalltag klar strukturieren
  • gemeinsame Aktivitäten mit den Kindern planen und durchführen
  • für kindgerechte Ablenkung sorgen
  • nichts bagatellisieren, aber auch keine Katastrophenstimmung verbreiten

Hinweis: Traumatische Folgen wird es bei den Kindern im Übrigen nur dann hinterlassen, wenn die Eltern gewalttätig werden, extrem gestresst reagieren oder im Zusammenhang mit Corona selbst stark an psychischen Störungen leiden.

Aus diesem Grund werden gemeinsame Erlebnisse im Familienverband für die Kinder besonders wichtig sein, um die derzeitigen Ereignisse und Veränderungen gut verarbeiten zu können.  Denn bei Kindern ist das Leben auf das Hier und Jetzt ausgerichtet.

Sie haben noch kein stärkeres Zukunftsdenken oder vorausschauendes Denken. Können sie also die Ausnahmesituation in der Sicherheit einer Familie durchleben, wo auf einen harmonischen und respektvollen Umgang geachtet wird, werden sie die negativen Erfahrungen schnell vergessen. Diese werden zwar sehr wohl in die kindliche Entwicklung einfließen, sie werden aber die Kinderseele nicht auf Dauer belasten.

 

Was können Sie im Einzelnen tun?

 

Neben einem möglichst ruhigen Umgang mit der Situation, werden Sie Ihrem Kind am besten helfen können, mit der Situation umzugehen, indem Sie entsprechend dem Alter:

  • für eine klare Strukturierung im Tagesablauf sorgen
  • gemeinsame Unternehmungen planen, die auch den Aufenthalt an der frischen Luft und die Bewegung beinhalten
  • dem Kind genau erklären, wie es die Hygieneregeln einhalten kann und sollte
  • mit dem Kind zu Oma und Opa via Telefon oder Skype regelmäßig Kontakt halten
  • dem Kind immer wieder schöne Erlebnisse verschaffen, die ihm in Erinnerung bleiben

Tipp: Gerade kleineren Kindern kann man die Verbreitung von Viren ganz einfach verdeutlichen, indem man ihre Hände mit Kreidestaub oder Mehl bestäubt. So wird zugleich etwas Unsichtbares sichtbar gemacht und danach durch die Hygieneregeln wie ausgiebiges Händewaschen erklärt, wie man die Viren loswerden kann.

 

Fazit

 

Es ist sicher nicht so leicht für Eltern, dem eigenen Kind zu vermitteln, warum die derzeitige Situation so ist, wie sie ist. Doch auf kindgerechte Art wird es nötig sein, denn nur so kann man verhindern, dass Corona der Kinderseele so stark zusetzt, das Folgeschäden bleiben.

Experten sind sich aber darüber einig, dass nur jene Kinder psychische Schäden davontragen werden, die auch vor Corona schon Probleme damit hatten oder die während der Corona-Krise im familiären Umfeld nicht jene Liebe und Verständnis erfahren haben, die Kinder nun einmal unbedingt brauchen.

 

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