Was steckt eigentlich hinter … chronischer Müdigkeit?

 

Es gibt tatsächlich sehr viele Ursachen, weswegen man sich morgens nicht wirklich frisch und ausgeruht fühlt. Doch während sich die Müdigkeit nach einem langen Arbeitstag oder einer durchfeierten Nacht schnell wieder durch längeres Schlafen ausgleichen lässt, steckt hinter der chronischen Müdigkeit oftmals ein sehr viel ernsteres Problem.

 

Was versteht man unter chronischer Müdigkeit?

 

Die Müdigkeit selbst ist ein völlig normaler Zustand, mit dem uns der Körper vermittelt, dass die Leistungsgrenze erst einmal erreicht ist und unbedingt an die Erholungsphase gedacht werden sollte. Denn nach einer großen Anstrengung, einem sehr arbeitsreichen Tag oder auch einer zu kurzen Nacht müde zu sein ist der natürliche Schutzmechanismus, den uns Mutter Natur mitgegeben hat, um unseren Körper vor Überlastungen zu schützen.

Lässt sich dieser Zustand allerdings nicht durch ein paar zusätzliche Ruhepausen und Schlaf wieder beheben, dann spricht man von einer dauerhaften, also chronischen Müdigkeit.

Diese äußert sich in den meisten Fällen, wie folgt:

  • Schlaf und Ruhe verbessern den Zustand nicht
  • müde Phasen setzen urplötzlich nach einer Anstrengung, Belastung, aber auch nach ganz normal anstrengenden Tätigkeiten ein
  • immer öfter treten schon nach kurzer Zeit Konzentrationsprobleme und Leistungsschwäche auf
  • die Gedächtnisleistung nimmt überraschend schnell ab
  • depressive Stimmungen und Stimmungsschwankungen machen sich aus unerklärlichen Gründen breit
  • körperliche Symptome wie Muskel- und Gelenkschmerzen treten ohne ersichtlichen Grund auf
  • plötzlich auftretende Licht- und Geräusch-Überempfindlichkeit
  • unerklärliche Kopf- und Halsschmerzen
  • Nahrungsmittelunverträglichkeit
  • Störungen des Magen-Darm-Traktes
  • Sekundenschlaf

Das Problem bei diesem Erschöpfungssyndrom besteht in erster Linie darin, dass man die Symptome selten mit einem solchen Krankheitsbild in Verbindung bringt. Wer denkt schon daran, beispielsweise ein Problem im Magen-Darm-Bereich mit der chronischen Müdigkeit in Zusammenhang zu bringen?

Hinweis: Dauerhafte Erschöpfungszustände und chronische Müdigkeit sollte man niemals auf die leichte Schulter nehmen. Denn oftmals stecken wirklich ernstzunehmende Ursachen dahinter.

 

Welche Ursachen sorgen für die chronische Müdigkeit?

 

Die Ursachen für das chronische Erschöpfungssyndrom sind sehr vielfältig. Neben einem dauerhaften Schlafmangel oder dem permanenten Leben entgegen der inneren Uhr können auch Übergewicht, Bewegungsmangel, ungesunde Lebensführung, Flüssigkeitsmangel und Dauerstress oder ständige Unterforderung ausschlaggebend für die chronische Müdigkeit sein.

Doch nicht nur diese offensichtlichen Ursachen führen dazu, dass jemand dauerhaft müde und erschöpft ist. In manchen Fällen ist die Müdigkeit nämlich auch eine Begleiterscheinung einer Erkrankung.

Sind auch Sie also irgendwie ständig müde und wenig belastbar, könnte es auch daran liegen, dass sie an einer der folgenden Krankheiten leiden:

  • Schlafapnoe oder andere chronische Schlafstörungen
  • Infektionskrankheiten durch Viren oder Bakterien
  • Blutarmut
  • Herzrhythmusstörungen
  • Stoffwechselerkrankungen
  • Krebserkrankungen
  • psychische Krankheitsbilder, wie beispielsweise Depressionen und Angststörungen
  • körperliche Erkrankungen wie chronische Nierenschwäche, Herzinsuffizienz, Multiple Sklerose oder Rheumatoide Arthritis
  • Hypotonie, also zu niedriger Blutdruck
  • Migräne
  • Autoimmunerkrankungen, wie zum Beispiel Hashimoto Thyreoiditis

Welche Ursache tatsächlich auf jeden Einzelnen zutrifft, kann meist nur der behandelnde Arzt herausfinden. In der Regel zieht er sich dafür alle Informationen heran, die Sie ihm geben, wenn der Erschöpfungszustand bereits seit mehreren Monaten andauert.

Das bedeutet, dass er auch Ihre Angaben dazu in Betracht zieht, die mit den Auswirkungen auf Ihren Alltag zu tun haben oder die sich in der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit niederschlägt. Ebenso wird er mit Ihnen gemeinsam ergründen, welche belastenden Lebenssituationen gegebenenfalls in dieser Zeit aufgetreten sind.

Nach der Anamnese wird der Arzt eine körperliche Untersuchung vornehmen, zu welcher unter anderem auch die Blutuntersuchung gehört. Seinen Fokus legt er dabei vor allem auf das Lymphsystem, das Herz, die Atemwege sowie den Magen-Darm-Trakt und das Nervensystem.

Möglicherweise wird er auch eine Untersuchung in einem Schlaflabor anregen, wo dann unter anderem auch die Hirnströme aufgezeichnet und ein EKG durchgeführt werden.

 

Was kann man gegen chronische Müdigkeit unternehmen?

 

Sofern als Ursache für die chronische Müdigkeit eine Erkrankung festgestellt wurde, muss natürlich zuerst dieses Krankheitsbild mit all seinen Symptomen in Angriff genommen werden. Dafür gibt es verschiedene Therapien, die jeweils auf die Grunderkrankung abgestimmt sind.

Liegt indes keine Krankheit zugrunde, kann man selbst einiges gegen die chronische Müdigkeit tun. In der Regel hilft es schon, die eigene Lebensführung zu überdenken und positiv zu verändern.

Deswegen sollten Sie:

  • möglichst nach Ihrem persönlichen Biorhythmus leben, also auf Ihre innere Uhr achten
  • ein kurzes Nickerchen zwischendurch kann helfen, die Energien wieder aufzuladen und Müdigkeitsattacken vorzubeugen
  • vermeiden Sie Übergewicht und ernähren Sie sich möglichst vitaminreich, fettarm und ausgewogen
  • sorgen Sie für genügend Flüssigkeitszufuhr, ideal sind etwa 2 Liter Wasser, ungesüßte Fruchtsäfte oder Tees pro Tag
  • verzichten Sie auf übermäßigen Alkoholkonsum
  • leben Sie am besten rauchfrei
  • bewegen Sie sich so oft und so viel wie möglich, und das am besten an der frischen Luft
  • bringen Sie Ihren Kreislauf mit Wechselduschen in Schwung
  • nutzen Sie Entspannungstechniken, um den Alltagsstress schnell abbauen zu können
  • sorgen Sie mit einer optimalen Schlafhygiene, einem idealen Schlafklima und einer für Sie passenden Bettausstattung für ausreichend und erholsamen Schlaf

Tipp: Eingefahrene Gewohnheiten zu ändern, braucht Zeit. Sollte also die chronische Müdigkeit aufgrund einer eher nachteiligen Lebensführung zustande gekommen sein, wird es nur Schritt für Schritt in die richtige Richtung gehen. Doch bekanntlich kann schon der Weg das Ziel sein.

Sollte es wegen bestimmter Medikamente dazu kommen, dass Sie ständig müde sind, sollten Sie mit Ihrem Arzt darüber sprechen. Entweder kann man hier eine andere Dosierung einstellen oder vielleicht auch das Medikament wechseln.

 

Fazit

 

Ständig müde zu sein und nicht mehr das gewohnte Leistungsniveau erreichen zu können, ist definitiv ein zermürbender und nerviger Umstand. Deswegen ist es immer ratsam, die eigene Lebensführung und die Schlafhygiene ein wenig genauer unter die Lupe zu nehmen.

Ändert jedoch das Ausschlafen oder zusätzliche Erholungsphasen nichts am Zustand der chronischen Müdigkeit, sollte immer der Arzt konsultiert werden. Denn ein solcher Erschöpfungszustand kann auch durch eine schwerwiegende Erkrankung hervorgerufen werden. Es gilt also abzuklären, warum es zur chronischen Erschöpfung kommt.

Ist es nicht eine Krankheit, sondern die eigene Lebensführung, können Verhaltenstherapien eine begleitende Möglichkeit sein, um das eigene Verhalten besser wahrzunehmen und zu verstehen, wo vielleicht etwas nicht so optimal verläuft. Dementsprechend sollte immer auch das Erlernen von Entspannungstechniken wie Autogenes Training oder Meditationen in Betracht gezogen werden. Denn Stress im Job und im Alltag ist meist immer noch der Faktor Nummer eins, wenn jemand ständig müde und erschöpft ist.

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